Unerwünschte Wirkung: Grapefruit und andere Risikofaktoren

29. April 2014, 10:57
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Wer Medikamente nimmt, sollte zur eigenen Sicherheit Wechselwirkungen kennen - Eine Aufforderung zum Lesen der Beipackzettel

Nur gut gemeint haben es die Verwandten der 64-Jährigen. Damit sie nach ihrer Herzklappenoperation schneller gesund werde, brachten sie ihr Multivitamintabletten mit. Michael Wolzt, Kardiologe an der Uniklinik für Klinische Pharmakologie der Med-Uni Wien, wunderte sich indes, warum die blutverdünnenden Marcoumar-Tabletten nicht wirkten. Nach so einer Operation brauchen Patienten das dringend, damit sich kein Blutgerinnsel in Herz oder Hirn bildet.

Immer höher dosierte Wolzt das Marcoumar, doch es wirkte nicht. Erst nach Wochen und mit hartnäckigem Nachfragen fand der Internist heraus: Es lag an den Vitamintabletten. Die enthielten auch Vitamin K, was die Wirkung von Marcoumar stark schwächen kann.

Vor dem Essen, nach dem Essen

Auch bei einer 75-jährigen Patientin wunderte sich Wolzt: Der Laborzettel zeigte, dass die Frau zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut hatte, obwohl sie eine hohe Dosis einnahm. Wieder brachte ihn beharrliches Fragen auf die Ursache: Die Frau schluckte die Tabletten immer mit dem Essen, weil sie gehört hatte, dass das für den Magen schonender sei. Pharmakologe Wolzt erklärte ihr, dass das für einige Medikamente stimmt, nicht aber für diese Hormone.

Die Nahrung im Darm verhinderte, dass die Medikamente genügend aufgenommen wurden. "Nahrungsmittel oder der Zeitpunkt des Essens können die Wirkung von Medikamenten ziemlich verändern.

Ärzte warnen wenig

Leider wissen Ärzte zu wenig darüber", sagt Wolzt und kritisiert, dass solche Wechselwirkungen nicht systematisch erfasst würden. Schuld daran seien Mediziner, Apotheker und andere Angehörige von Gesundheitsberufe: "Viele scheuen den Aufwand."

Immerhin kennen einige die Effekte von Grapefruit. Sie hemmt das Enzym CYP3A4. Manche Arzneimittel - etwa Blutdruckmittel oder Cholesterinsenker - werden dadurch langsamer abgebaut und wirken stärker. Genau anders herum bei Johanniskraut: Es bewirkt, dass die Leber mehr CYP3A4 herstellt. Dadurch werden Medikamente wie Marcoumar schneller abgebaut und wirken schwächer. Kalzium im Essen hingegen formt mit Medikamenten im Darm einen Komplex, wodurch sie nicht richtig aufgenommen werden. Dies passiert etwa, wenn man Eisentabletten oder Antibiotika mit Milch einnimmt.

Lakritze und Cola

Patienten, die Blutdrucksenker schlucken müssen, verzichten besser auf Lakritze. Sie lässt den Blutdruck steigen. Wer regelmäßig das Schmerzmittel Ibuprofen nimmt, sollte Cola meiden oder die Dosis reduzieren, denn durch Cola wird Ibuprofen rascher aufgenommen, wirkt stärker. Zu viel Cola oder Kaffee ist schlecht in Kombination mit dem Asthmamittel Theophyllin: Die Getränke enthalten Xanthin, was die Wirkung von Theophyllin verstärken kann.

Vorsichtig solle man auch bei Alkohol sein, wie Wolzt betont: "Viele Medikamente wirken dadurch stärker, etwa Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antihistaminika gegen Allergien." Es gibt viele pharmakologische Wechselwirkungen. "Den Beipackzettel genau lesen", rät Wolzt. (Felicitas Witte, DER STANDARD, 29.4.2014)

  • Köstlich fruchtig: Wer Blutverdünnungsmedikamente nimmt, sollte Grapefruit allerdings dringend meiden.

    Köstlich fruchtig: Wer Blutverdünnungsmedikamente nimmt, sollte Grapefruit allerdings dringend meiden.

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