Wie man Smartphones verkauft, wenn schon jeder eins hat

25. Mai 2014, 09:23
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Marktsättigung treibt Gerätepreise nach unten - Kampf um die letzten Nichtnutzer

Jahrelang boomten der Smartphone-Absätze in westlichen Märkten. Dieser Tage allerdings besitzen viele Konsumenten bereits ein solches Gerät. Die Sättigung der Märkte wird auf Dauer den Wettbewerb ändern und verschärfen.

Hat ein Produkt den Großteil der Kundschaft erreicht, gibt es für die Anbieter zwei große Herausforderungen. Zum Einen will auch der verbliebene Rest noch erreicht werden, zum Anderen müssen Angebote geschaffen werden, die bestehende Smartphone-Besitzer zum Kauf eines neueren Modells bewegen. Am Beispiel von Großbritannien berichtet der Guardian über Aussichten, Strategien und Konsequenzen.

Purzelnde Preise

Zumindest 90 Prozent aller Vertragskunden in England verfügen bereits über ein Smartphone. Bei jenen Nutzern, die auf Prepaid-Karten bzw. Pay-as-you-go-Angebote zurückgreifen, liegt dieser Prozentsatz niedriger. Zwischen 2010 und 2012 erwarben pro Jahr rund neun Millionen Bürger ihr erstes Smartphone. 2013 waren es laut Erhebungen von Kantar nur noch 4,8 Millionen

Der Markt reagiert darauf mit jener Tendenz, die weltweit zu beobachten ist: Die Gerätepreise sinken. Das durchschnittliche iPhone kostete in Großbritannien im Weihnachtsquartal 636 Dollar, zwischen Januar und März waren es 596.

Vorteil für Android

Zurückzuführen ist dies weniger auf Apples Preispolitik, sondern auf Kunden, die sich für die günstigeren Modelle 4S sowie 5C anstelle des aktuellen Flaggschiffs, das iPhone 5S, entschieden. Apple selbst hat das iPhone 5C mittlerweile auch als Variante mit acht GB Speicher im Programm, die wiederum etwas weniger kostet als die bisherigen Modelle.

Von der Preisentwicklung profitiert Googles Android-System, für das eMarketer einen Anstieg des Marktanteils von 49,6 auf 53 Prozent im Vereinigten Königreich voraussagt. Der Grund: Android-Smartphones gibt es in allen Preissegmenten, von der billigen Einstiegsklasse bis hin zu teuren Highend-Geräten.

Von Bedeutung ist die Preisfrage vor allem für Kundschaft, die schon ein Smartphone ihr eigen nennt. Denn dort führt sonst nur die Veröffentlichung von neuen Flaggschiffen zu kurzfristigen Verkaufssteigerungen, wie sich bereits an stark gesättigten Märkten wie Japan beobachten kann. Davon abgesehen erwarten Marktforscher ein Abflauen der Absatzzahlen.

Die letzten zehn Prozent

Schwierig wird es, die verbleibenden zehn Prozent zu erreichen, die nach wie vor mit einem "einfachen" Handy unterwegs sind. Für diese Spielt nicht nur der Preis eine Rolle, sondern auch die eigene Überzeugung, die fortgeschrittenen Funktionen dieser Geräte nicht zu benötigen.

Herausforderung aus China

Eine Unbekannte sind chinesische Hersteller, die in Zukunft verstärkt auch auf europäische Märkte drängen dürften. Neben Huawei, ZTE und Lenovo (das gerade die Übernahme von Motorola vorantreibt) harren auch noch andere Unternehmen wie Xiaomi ihrer Chance.

Im Gegensatz zu Samsung oder Apple – die dominanten Marken am britischen Markt – verfügen diese kaum über Bekanntheit, punkten dafür aber mit niedrigen Preisen. Dass effizientes Marketing in Zukunft immer wichtiger wird, ist absehbar.

Hoffen auf Bedarf

Beim Provider EE hofft man indes, dass die stetig steigenden Bedürfnisse – etwa nach dem Streamen von HD-Videos on-the-go in Verbindung mit der steigenden Verfügbarkeit von 4G-Konnektivität die Nachfrage nach entsprechenden Smartphones anfachen werden. Dazu sollen auch neue Entwicklungen wie Sprachsteuerung Kunden zu einem Upgrade verleiten. (red, derStandard.at, 25.05.2014)

Links

Guardian

  • In gesättigten Märkten könnten künftig nur noch neue Flaggschiffe - wie etwa Samsungs Galaxy S5 - für Verkaufssprünge sorgen.
    foto: reuters

    In gesättigten Märkten könnten künftig nur noch neue Flaggschiffe - wie etwa Samsungs Galaxy S5 - für Verkaufssprünge sorgen.

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