Rohani zu Kurz: "Atomdeal wäre für ganze Region wichtig"

28. April 2014, 13:33
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Iranischer Präsident will Internet ausbauen - In Teheran allerdings Zurückhaltung bei Themen wie sozialen Netzwerken und Abkehr von Todesstrafe

Teheran/Wien - Der iranische Präsident Hassan Rohani hat am Montag gegenüber Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) unterstrichen, dass er eine baldige Lösung des Atomstreits anstrebe. "Das ist wichtig für den Iran und die ganze Region", erklärte der als gemäßigt geltende Politiker bei einem Treffen in Teheran. Gegenüber Kurz gab sich Rohani auch sehr zuversichtlich, bis 20. Juli ein Abkommen zu erzielen.

Rohani drückte auch die Hoffnung aus, bald Bundespräsident Heinz Fischer im Iran begrüßen zu dürfen. Ob dieser Besuch zustande kommt, hängt auch davon ab, ob die Gespräche der UNO-Vetomächte samt Deutschland mit dem Iran über die Nutzung der Nukleartechnologie in der Islamischen Republik zu einer Einigung kommen. Die Notwendigkeit, einen Atomdeal zu erreichen, unterstrich auch Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani, heute Chef des mächtigen Schlichtungsrates.

Rafsanjani hob hervor, wie wichtig die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen für sein Land wäre. Dann könnte auch Österreich als Geschäftspartner interessanter werden, so Rafsanjani, der unter anderem den Mineralölkonzern OMV erwähnte. Ob im Iran aber tatsächlich alle innenpolitischen Kräfte eine Lösung des Atomstreits anstreben, hielt Kurz indes für etwas zweifelhaft: "Ich habe den Eindruck, dass es da einen großen Gap gibt."

Nutzung sozialer Netzwerke einschränken

Sehr aufgeschlossen zeigte sich Rohani auch bezüglich eines Ausbaus des Internets im Iran. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Frage bei sozialen Netzwerken nicht so einfach sei. Rohani verwies dabei auf Länder wie China oder die Türkei, wo Kurznachrichtendienste wie Twitter auch nicht uneingeschränkt genutzt werden dürfen.

Bei seinen Gesprächen mit Regierungsvertretern habe er auch das Thema Menschenrechte und die ablehnende Haltung Österreichs zur Todesstrafe wiederholt thematisiert, erzählte Kurz zum Abschluss seines Teheran-Aufenthalts. Insbesondere bei der Todesstrafe sei aber wenig Verständnis vorhanden, weil diese mit dem Islamischen Recht im Einklang stehe.

Außerdem gebe es auch in Ländern wie den USA Hinrichtungen. Allerdings ortete der Außenminister seitens der iranischen Regierung Tendenzen, zumindest bei der Frage von minderjährigen Straffälligen umzudenken. Auch bei Drogendelikte gebe es die Bereitschaft, eine Abkehr von der Todesstrafe zumindest in Betracht zu ziehen. Kurz: "80 Prozent der Fälle sind Drogendelikte." (APA, 28.4.2014)

  • Außenminister Sebastian Kurz mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani.
    foto: epa/iran presidential office

    Außenminister Sebastian Kurz mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani.

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