ÖVP attackiert "fliegendes Spaghettimonster"

28. April 2014, 13:11
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Blümel kritisiert NEOS-Mandatar und "Pastafari" Alm wegen religiöser "Verhöhnung" durch Satire-Kirche - Klarstellung von Parteispitze gefordert

Wien - Die ÖVP hat mitten im EU-Wahlkampf einen neuen Gegner ausgemacht: Das "fliegende Spaghettimonster". Die Satire-Religion hat die offizielle Anerkennung in Österreich beantragt, Mitglied ist NEOS-Mandatar Niko Alm. Anlass für ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel, auf Twitter Sturm gegen die nach seiner Meinung religiöse Verhöhnung zu laufen. Er verlangt von der NEOS-Spitze nun eine Klarstellung.

"Reine Spaßpartei"

"Wir respektieren Religionen, die NEOS-Partei macht sie lächerlich", meinte Blümel in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Parteichef Strolz wolle sich "auf derselben Welle wie der Papst sehen", Religionssprecher Alm "mit den Pastafaris sein Spaghetti-Monster auf die selbe Stufe wie Jesus stellen". Für den ÖVP-Generalsekretär haben die NEOS "einmal mehr bewiesen, dass sie reine Spaßpartei ist". Nur eine Partei die "keinerlei Grundwerte" hat, könne solche Äußerungen von sich geben.

Alm ist nach wie vor Mitglied der Satire-Kirche mit laizistischem Hintergrund, jedoch nicht mehr "oberster Pirat", also im höchsten Gremium. Diese Funktion lasse sich nicht mit der Trennung von Kirche und Staat vereinbaren, meinte er gegenüber der APA. Er unterstützt aber den Antrag der "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" beim Kultusamt inhaltlich. Grund für Blümel, Strolz und EU-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar via Twitter aufzufordern, sich von der Aktion distanzieren zu distanzieren. Dies sei nach wie vor nicht erfolgt, kritisiert der ÖVP-Generalsekretär.

Auch den Papst persönlich hat Blümel im Kampf gegen das "Spaghettimonster" bemüht. Er stellte ein Foto von Parteichef Michael Spindelegger während einer Begegnung mit Papst Franziskus, gegenüber stellte er Alms Nudelsieb-Foto. "ÖVP - NEOS: Der kleine Unterschied", lautet die Botschaft. Das Sujet stamme nicht direkt aus dem Parteibüro, betont man dort. Unterstützung auf Twitter erhielt Blümel übrigens von Umweltminister Andrä Rupprechter, der die Angelegenheit offensichtlich mit ein wenig Humor sieht und "no prob mit Bekenntnissen" hat. Er versteht nun, warum NEOS-Chef Matthias Strolz "so flattert" - "das ist das Spaghettimonster oder?"

Niko Alm beantragte "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters"

Die Österreichische "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" zähle mittlerweile mehr als 450 Mitglieder und erfülle damit die Voraussetzungen für eine "Religiöse Bekenntnisgemeinschaft", sagte Oberhaupt Philip Sager. Antrieb dafür hatte vor fast drei Jahren die Nudelsieb-Aktion des jetzigen NEOS-Mandatars Niko Alm gegeben.

Die Religion des fliegenden Spaghettimonsters versteht sich als ironisch, kritische Bewegung gegen religiöse Inhalte im Wissenschaftsunterricht, ungeachtet des persönlichen Glaubens, wie die Anhänger des Pastafarianismus betonen. Ihre Mitglieder nennen sich Pastafaris. Sie glauben daran, dass nach dem Tod im Himmel eine Stripper-Fabrik und ein Biervulkan auf sie wartet. Für sie ist jeder Freitag ein religiöser Feiertag. Gegründet wurde die "Church of the Flying Spaghetti Monster" 2005 von dem Amerikaner Bobby Henderson.

"Oberster Maccharone"

Sager - er ist der "Oberste Maccharone", also das Oberhaupt der Österreichischen Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters (KdFSM) - sieht mit dem Antrag ein wichtiges Etappenziel erreicht: "Natürlich wollen wir, dass im nächsten Schritt von den vielen Pastafaris in Österreich zumindest 16.000 Mitglied unserer Kirche werden." Damit wäre der Pastafarianismus eine gesetzlich anerkannte Religion und hätte Zugriff auf die gleichen Privilegien, die auch den 16 anderen Kirchen und Religionsgesellschaften von Gesetzes wegen zustehen: staatlich finanzierter Religionsunterricht, Subventionen und Steuererleichterungen.

Bekannt gemacht hatte den Pastafarismus der nunmehrige NEOS-Abegeordnete Alm, der es geschafft hatte, ein Nudelsieb auf seinem Führerscheinfoto tragen zu dürfen und damit weltweite mediale Aufmerksamkeit erreicht hatte. Er berief sich auf eine Begründung in einer offiziellen Broschüre, wonach religiöse Kopfbedeckungen - im Gegensatz zu anderen - auf amtlichen Lichtbildausweisen erlaubt sein.

Alm ist nach wie vor Mitglied der Satire-Kirche, jedoch nicht mehr "oberster Pirat", also im höchsten Gremium der Satire-Kirche. Diese Funktion lasse sich nicht mit der Trennung von Kirche und Staat vereinbaren, sagte er zur APA. Er unterstützt aber den Antrag inhaltlich, der nun beim Kultusamt eingebracht wurde.

Die Pastafaris sehen nun einer raschen Abwicklung des Ansuchens entgegen. "Wir haben schon den Topf mit dem Nudelwasser aufgesetzt, um das gehörig zu feiern", so Sager. (APA, 28.4.2014)

  • Neos Abgeordneter Niko Alm mit Nudelsieb. 
 
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Neos Abgeordneter Niko Alm mit Nudelsieb.

     

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