Management-Workshops richtig anpacken

28. April 2014, 15:27
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Raus aus dem Tagesgeschäft, rein in die Klausur. Damit Führungskräfte bestmöglich davon profitieren, sollte einiges beachtet werden

In den meisten Unternehmen und sogar in der Politik geht man immer wieder auf Klausur. Diese kosten Zeit und damit einiges an Geld. Bei zwei Tagen mit zwölf Führungskräften kommt man schnell einmal auf € 25.000. Die Grundidee ist gut: Raus aus dem Tagesgeschäft, um wichtige Themen in einem anderen Arbeitsmodus zu behandeln. Dennoch sind viele Klausuren ineffizient.

Drei Klausurtypen charakterisieren 90 Prozent der Workshops, die zwar viel kosten, aber am Ende (zu) wenig bringen.

Der Klassiker: Stundenlage PowerPoint-Präsentationen mit riesigen Excel-Tabellen finden in der offiziellen Klausur statt. Stäbe und Experten bereiten im Vorfeld wochenlang die Unterlagen vor. Die wichtigsten Dinge werden aber schon im Vorhinein, am Abend an der Bar oder bilateral in der Pause ausgeschnapst.

Der Team-Workshop: Man steigt in einem schönen Hotel ab und übt sich im Vertrauen bei spannenden Teamübungen im Klettergarten. Die Stimmung passt, aber zurück im Firmenalltag verlaufen die Meetings und die Zusammenarbeit genauso holprig wie zuvor. Der Grund: Im Workshop fehlte der Management- und Geschäftsbezug, man lebte in der schönen Welt ohne für den Alltagstransfer zu sorgen.

Das inszenierte Erlebnis: Diesmal gönnt man sich etwas Besonderes. Ein toller Redner wird eingeladen. Alle sind beeindruckt, aber keiner kümmert sich darum, das Gelernte für den Alltag zu übersetzen. Oder ein Businesstheater führt die Unternehmenskultur und den Einfluss auf notwendige Veränderungen auf, alle lachen herzlich über sich selbst. Der Spannungsabbau hat stattgefunden und morgen läuft es weiter wie bisher. Also eine gute Show, wo die Führungskräfte Zuseher bleiben.

Es geht auch anders. Eine Führungsklausur, für die es sich lohnt, Zeit, Energie und Geld zu investieren, folgt folgenden Prinzipien:

  • Geschäftsthemen und Teamentwicklung werden in einem Workshop gemeinsamen bearbeitet. So werden in einem Strategie-Workshop nicht nur Zukunftsthemen  und Organisatorisches besprochen. Die Führungskräfte lernen gleichzeitig besser zu kooperieren, Feedback zu geben und erleben Stärken und Grenzen ihres Führungsverhaltens.

  • Am Businessthema wird inhaltlich professionell und im Austausch miteinander gearbeitet, d. h. möglichst wenig PowerPoint, wirksame Settings (gute Taktung von Einzelarbeit, Kleingruppen, Plenar) und partizipative Methoden, die einen Dialog ermöglichen.

  • Ein Workshop ist kein Einzelerlebnis, sondern Teil eines Prozesses. Dazu gehören inhaltlich gut vorbereitete Unterlagen, ein passendes, gut durchdachtes Design und eine professionelle Moderation. Bei diesem Prozess müssen auch konkrete Arbeitsschritte überlegt werden, mit denen die Ergebnisse nach der Führungsklausur in den Standard Managementmeetings verankert werden.

  • Dialog und Lösungsfokussierung sind die zwei wesentlichen Zutaten damit Energie im Workshop fließen kann. Bei Diskussionen darum geht, zu gewinnen bzw. Recht zu haben. Im Dialog tauschen sich die Teilnehmer über persönliche Erfolgsannahmen aus, legen ihre Interessen auf den Tisch und arbeiten immer wieder in unterschiedlichen Kleingruppen an den heißen Themen. So kommen sie gemeinsam zu neuen Lösungen. Gut getaktete Kleingruppendialoge machen den Unterschied, denn nichts ist ermüdender als lange plenare Reden.

  • Die Location unterstützt den Arbeitsprozess und den Dialog. Dazu braucht man eine Arbeitsumgebung mit viel Licht, einen großen Raum ohne traditionelle U-Tafel oder Klassenraumbestuhlung. Ein Spaziergang dazwischen, ein guter Platz wo Konflikte gelöst werden können oder gemeinsamer Sport wirken oft Wunder. Manchmal sind einfache Gasthäuser oder Alm-Hütten passend, in anderen Situationen ist es besonders wirksam mit einem Workshop mitten im Geschehen – z.B. in einer Produktionshalle oder in den Ausstellungsräumen des Vertriebs zu sein.

Am Ende sind es ganz wenige einfach Prinzipien, die entscheiden, ob ein Workshop wirkt. Menschen wollen raus aus dem „Hamsterrad“ des Alltags, wollen wertschätzenden Dialog statt Politik, wollen Gemeinschaftserlebnisse und in einem erfolgreichen Team „spielen“. Und das alles, um Unternehmensziele zu verfolgen, die Sinn machen. (Manfred Höfler, derStandard.at, 28.4.2014)

Martin Höfler ist der Geschäftsführer der ICG Integrated Consulting Group

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