Zinshausmarkt: "Heißer Herbst" brachte halbe Milliarde Euro Umsatz

28. April 2014, 14:47
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Im zweiten Halbjahr wechselten besonders viele Gründerzeit-Häuser ihre Besitzer. Immer mehr ausländische Investoren sind am Markt aktiv

"Desaströs", hätte Markus Steinböck von Otto Immobilien laut eigenen Angaben geantwortet, wenn ihn Anfang Jänner jemand gefragt hätte, wie das Zinshausjahr 2013 gelaufen sei.

Nun, mit zeitlichem Abstand und unter Berücksichtigung eines gewissen Nachlaufs zieht man bei Otto Immobilien in einem aktuellen Marktbericht eine weitaus positivere Bilanz: 762 Millionen Euro Umsatz seien im Vorjahr mit Zinshäusern gemacht worden, was auf eine besonders starke zweite Jahreshälfte zurückzuführen sei: Ein Großteil des Umsatzes, also mehr als eine halbe Milliarde Euro, seien im "heißen Herbst", so Geschäftsführer Eugen Otto, erzielt worden.

Das sei einerseits auf eine wachsende Zahl an ausländischen Investoren zurückzuführen, andererseits auf die geplante Novellierung der Wiener Bauordnung und einen dadurch leichteren Ausbau von Dachgeschossen. Einige wenige, dafür besonders hohe Transaktionen gab es laut Bericht - wenig überraschend - im 1. Bezirk. Mit 161 Millionen Euro erzielte der 1. Bezirk demzufolge das höchste Transaktionsvolumen. Rückgänge gab es hingegen beispielsweise im 2., 3. und 4 Bezirk.

Zahl sinkt

Die Zahl der erhältlichen Objekte sinkt unterdessen weiter, wie die Studienautorin Lene Kern berichtete: 14.890 klassische Gründerzeit-Zinshäuser gibt es heute noch in Wien, die die Kriterien erfüllen (siehe Hintergrund). Der Bestand sei im Vorjahr weiter gesunken, was jedoch weniger auf Abrisse, sondern auf Begründung von Wohnungseigentum zurückzuführen sei. Bei Otto Immobilien rechnet man aber damit, dass heuer Häuser von institutionellen Eigentümern auf den Markt kommen und das Angebot dadurch breiter wird. Die Bandbreite der Häuser aus der Gründerzeit reiche "von der Bruchbude bis zur Perle", so Richard Buxbaum, Leiter des Bereichs Wohnimmobilien und Zinshäuser.

"Mit Zinshäusern wird man nicht reich, sondern man bleibt es", fasste sein Kollege Markus Steinböck zusammen. Ein Credo, das auch auf Karl Wlaschek, Billa-Gründer und "Idealtypus des Wiener Zinshausanlegers", zutrifft: Er investiert seit den 1990ern in Zinshäuser und Stadtpalais und besitzt alleine im 1. Bezirk mehr als 60 Häuser.

Doch auch für Käufer anderer Dimension gilt das Wiener Gründerzeit-Mietzinshaus als sichere Anlage, die mit hohen Eigenmittelanteilen erstanden wird. Die Rendite liegt laut Marktbericht bei mageren 1,4 Prozent in der Innenstadt, und bei sechs Prozent im 10. oder 11. Bezirk, wo man nach wie vor am günstigsten einkaufe. "Die Preisspitze scheint vorerst erreicht zu sein", resümierte Buxbaum. Für Privatanleger seien besonders jene Häuser attraktiv, die in sehr gutem Zustand sind und über einen Rohdachboden verfügen, der vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt erweitert werden kann.

Neue Hotspots

Das heurige Frühjahr sieht man bei Otto Immobilien positiv; die Transaktionen seien im Jänner gestiegen. Zu neuen Zinshaus-Hotspots könnten der 12., 14., 16. und 20. Bezirk werden. Doch auch in Gegenden wie dem Naschmarkt oder dem Servitenviertel werde eingekauft. (Franziska Zoidl, derStandard.at, 28.4.2014)

Hintergrund

Die Kriterien für das Gründerzeit-Zinshaus "im engeren Sinn" nach Otto Immobilien:

  • Baujahr 1848 bis 1918
  • geschlossene Bauweise (keine Zinsvillen)
  • im Stil des Historismus mit zahlreichen klassischen dekorativen Stilelementen
  • keine Sondernutzung (öffentliche Gebäude, Palais etc.)
  • kein Wohnungseigentum
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