Nach Hauseinsturz in Wien: Mariahilfer Straße bleibt gesperrt

28. April 2014, 15:24
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Sanierungsarbeiten am Gebäude bis zur statischen Sicherheit erforderlich - Noch zwei Personen im Krankenhaus, Zustand stabil - Anrainer konnten teilweise kurz in Wohnungen zurückkehren

Wien - Nach dem Hauseinsturz in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus bleibt die Äußere Mariahilfer Straße bis auf Weiteres gesperrt. Laut Gerald Schimpf, Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, muss das Gebäude in der Mariahilfer Straße 182 bis zur statischen Sicherheit saniert werden. Damit wurde das Schadenssanierungsunternehmen Belfor beauftragt.

Unterdessen konnten einige der Anrainer der betroffenen Wohnungen am Montagvormittag kurz in ihre Appartements zurückkehren, um Dokumente und Wertgegenstände abzuholen, sagte Heimo Ernst Weiss, Geschäftsführer von Belfor, zur APA. Dies war möglich, weil die Statiker der Stadt Wien das Einverständnis gaben. Das war aber nicht für alle Wohnungen möglich.

Feuerwehr-Einsatz abgeschlossen

Die Berufsfeuerwehr schloss gegen Mittag ihren Einsatz ab und übergab die Baustelle an die Baubehörde bzw. an Belfor. Am Vormittag waren noch rund 30 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen, sagte Schimpf der APA. Von den drei Opfern in Spitalsbehandlung sollte eines noch im Laufe des Montags das Spital verlassen, sagte Conny Lindner, Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), der APA. Die anderen beiden Opfer blieben weiter in stationärer Behandlung. Ein Mann befand sich weiterhin auf der Intensivstation, war aber in stabilem Zustand. Eine 48-Jährige, die am Samstag erst nach Stunden aus den Trümmern geborgen worden war, lag ebenfalls weiterhin im Krankenhaus auf einer Normalstation.

Ein Teil des Hauses war am Samstagvormittag in die Luft geflogen, weil ein 19-Jähriger in Selbstmordabsicht den Gasherd in seiner Wohnung manipuliert hatte. Er wurde Stunden später aus den Trümmern geborgen und starb unmittelbar danach. Laut Polizei war das Obduktionsergebnis am Montag noch offen. Dass der junge Mann seine Suizidabsichten vorher geäußert hatte, war der Exekutive jedenfalls nicht zur Kenntnis gebracht worden.

Fülle bisher nicht verifizierbarer Informationen

Befragungen der Freunde ergaben eine Fülle bisher nicht verifizierbarer Informationen. Ein Beispiel: Der 19-Jährige habe sich nicht in die Luft sprengen, sondern mit dem Gas vergiften wollen. Die Explosion habe er ausgelöst, weil er sich eine Zigarette angezündet habe. Von mehreren Seiten hörten die Beamten, dass es tatsächlich um Liebeskummer gegangen sein könnte. Seine Freunde dürften mit ihm über seine Probleme gesprochen haben. Keine Spur fanden die Einsatzkräfte bisher vom Haustier des 19-Jährigen. Er hatte eine Vogelspinne gehalten.

An der Unfallstelle waren mehrere Statiker im Einsatz, bestätigte eine Sprecherin der Baupolizei gegenüber der APA. Die Aufgabe seiner Firma beschrieb Belfor-Geschäftsführer Weiss so: "So schnell wie möglich, aber vorsichtig" den schadhaften Teil des Hauses Schicht für Schicht abtragen, bis die statische Stabilität des Gebäudes gegeben ist. Dazu hat Belfor zunächst auf der rechten Seite des durch die Explosion entstandenen Kegels mit den Arbeiten begonnen. Danach kommt die linke, an die Denglergasse grenzende Seite an die Reihe.

Jeweils nach der Abtragung einer Schicht kann die statische Situation neu bewertet werden. Laut Weiss gibt es alle sechs Stunden Besprechungen mit der Baupolizei und Statikern. Nicht zuletzt geht es darum, die Mariahilfer Straße möglichst rasch wieder für den Öffentlichen und den Individualverkehr zu öffnen. Wann das sein wird, stand Montagmittag noch in den Sternen.

Die Bewohner des Gebäudes übersiedelten indes in Ersatzquartiere, die das Büro für Sofortmaßnahmen zur Verfügung stellte. "Wir haben inzwischen alle Personen, die ein Ersatzquartier benötigt haben, untergebracht", bestätigte Walter Hillerer, Leiter des Büros für Sofortmaßnahmen der APA. Vier Familien übersiedelten in Notfallswohnungen, zwei Personen bezogen das Notquartier des Büros in der Reichsapfelgasse. Andere kamen bei Verwandten oder Freunden unter oder befinden sich derzeit noch im Spital.

Wirtschaftskammer stellt Soforthilfe bereit

"Werden Teile des Hauses oder das gesamte Gebäude abgerissen, bemühen wir uns auch um dauerhafte Ersatzlösungen", erklärte Hillerer. Dann stelle das Büro für Sofortmaßnahmen bereits eingerichtete sogenannte Prekariumswohnungen zur Verfügung, bei denen auch so weit wie möglich auf die Wünsche der Mieter eingegangen werde.

Die Wirtschaftskammer Wien kündigte unterdessen Soforthilfe für betroffene Unternehmer an. Sie sollen aus den Mitteln des Notlagenfonds entschädigt werden. (APA, 28.4.2014)

  • In dem Altbau mit drei Obergeschoßen prüfen nun Statiker die weitere Vorgehensweise.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    In dem Altbau mit drei Obergeschoßen prüfen nun Statiker die weitere Vorgehensweise.

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