Zuckerbunte Waschmittel: Vergiftungsgefahr auch für Ältere

28. April 2014, 11:21
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Immer mehr ältere Menschen vergiften sich durch Haushaltsmittel - Bitterstoffe bieten geringen Schutzeffekt

Reinigungsmittel, die nach Zitrone oder Beeren duften und in bunten Flaschen verkauft werden, sind nach Ansicht von Experten nicht nur für Kleinkinder eine Gefahr. Auch immer mehr alte Menschen vergiften sich durch Haushaltsmittel.

"Im hohen Alter, bei bestimmten Erkrankungen und beginnender Demenz leidet der Geschmackssinn", sagten Fachleute des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), wo seit 50 Jahren die Nationale Kommission zur Bewertung von Vergiftungen angesiedelt ist. Dort will man deshalb die Prävention nun auf Alte ausweiten. "Weil viele alte oder demente Menschen weniger schmecken, trinken sie auch größere Mengen der Substanz. Und wenn sie Symptome entwickeln, ist oft niemand da, der Hilfe holt - ganz anders als bei Kleinkindern", erläutert Kommissionsgeschäftsführer Axel Hahn vom BfR.

Risiko bei Gel Caps am Höchsten

Auch Bitterstoffe, die einigen fruchtig oder blumig duftenden Reinigungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln zugesetzt sind, helfen in diesen Fällen wenig. "Die Bitterstoffe haben nicht den durchschlagenden Schutzeffekt, den wir uns von ihnen erhofft hatten", sagt Hahn. Denn: Auch kleine Kinder spucken Bitteres nicht unbedingt aus, sondern schlucken es manchmal reflexhaft schnell herunter.

Besondere Sorge bereiten den Experten die neuen Gel-Waschmittel in Einzelportionen mit wasserlöslicher Folie, Gel Caps genannt: Bunt, glänzend verpackt und mit weicher, glatter Oberfläche wirken sie appetitlich wie Riesenbonbons. "Doch die Caps enthalten im Vergleich zu anderen Waschmitteln deutlich höhere Konzentrationen an Tensiden", sagt Hahn. Das Gesundheitsrisiko beim Verschlucken ist also wesentlich größer. In Frankreich, Großbritannien oder Italien, wo die Gel Caps schon länger auf dem Markt sind, steigt die Zahl der Anfragen an die Giftzentralen seitdem stetig. Erste Hersteller haben auf die Kritik reagiert, Produktfarben und Verschlüsse verändert.

Die dritthäufigsten Anfragen zu möglichen Arzneimittelvergiftungen bei Kindern erhalten die Giftinformationszentren übrigens, weil die Kleinen Mamas Pille geschluckt haben - die beruhigende Antwort der Fachleute darauf lautet: bis zu einer Monatspackung kein Handlungsbedarf. (APA/dpa, 28.4.2014)

  • Besondere Sorge bereiten den Experten die neuen Gel-Waschmittel in Einzelportionen mit wasserlöslicher Folie.
    foto: apa/dpa/britta pedersen

    Besondere Sorge bereiten den Experten die neuen Gel-Waschmittel in Einzelportionen mit wasserlöslicher Folie.

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