Air Berlin baut nach Megaverlust radikal um

28. April 2014, 11:11
295 Postings

Der arabische Großaktionär greift der Airline mit einer Wandelanleihe unter die Arme, Details zum Umbau sind noch nicht bekannt

Berlin/Wien - Die schwer angeschlagene deutsche Fluggesellschaft Air Berlin - Konzernmutter der österreichischen Airline Niki ("flyniki") - erhält nach einem Riesenverlust 2013 in Kürze eine weitere Finanzspritze von Etihad Airways. Insgesamt geht es um eine Rekapitalisierung im Volumen von 450 Mio. Euro. Ein radikaler Umbau steht bevor.

Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer kündigte am Montag einschneidende Veränderungen bei Deutschlands zweitgrößter Airline an. "Hier wird es keine Tabus geben, alles kommt auf den Prüfstand", sagt Prock-Schauer in Berlin. Das bisherige Sparprogramm wirke, reiche aber nicht aus. Prock-Schauer betonte: "Unsere Kapitalgeber und wir glauben, dass Air Berlin eine Zukunft hat."

2013 hat Air Berlin unterm Strich einen Verlust von 315,5 Mio. Euro gemacht - damit wurde das fünfte Negativ-Ergebnis in sechs Jahren präsentiert. Nur der Geldgeber vom Golf hält die Berliner noch in der Luft. 2012 hatte der Verkauf des Vielfliegerprogramms an den Großaktionär Etihad noch zu einem leichten Plus von rund 7 Mio. Euro geführt.

Finanzspritze

Als Hilfe für den Umbau schießt die arabische Staats-Airline über eine Wandelanleihe 300 Mio. Euro zu. Air Berlin will mindestens 150 Mio. über eine eigene Anleihe erlösen.

Das laufende Sparprogramm "Turbine" liegt nach Prock-Schauers Angaben im Plan und besserte das Ergebnis im vergangenen Jahr um 200 Mio. Euro auf. Bis Ende 2014 werden mindestens weitere 200 Mio. Euro angestrebt. Unter anderem streicht Air Berlin 900 Jobs - fast jeden zehnten Arbeitsplatz.

Air Berlin müsse ihre "Handlungsoptionen, die auch das langfristige Geschäftsmodell betreffen, grundsätzlich evaluieren". Der aus Österreich stammende Konzernchef Prock-Schauer kündigte eine "fundamentale Neustrukturierung" an.

2013 ist auch das laufende Geschäft eingebrochen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von einem Plus von 70,2 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 231,9 Mio. Der Konzernumsatz sank von 4,31 Milliarden auf 4,15 Mrd. Euro. 2013 fielen weitere Strecken weg, die Flotte schrumpfte um 15 auf 140 Flugzeuge. Die Auslastung der rot-weißen Jets stieg dadurch um 5 Prozentpunkte auf 84,8 Prozent.

Bestehende Finanzierungen umstrukturiert

Auch bestehende Finanzierungen werden nun umstrukturiert: Air Berlin steht ein nicht ausgeschöpfter Gesellschafterkredit zur Verfügung, dessen Laufzeitende von 2016 auf 2021 verlängert worden sei, teilte das Unternehmen weiter mit. Nach diesen Maßnahmen werde die Eigentümerstruktur der Air Berlin unverändert bleiben. Etihad ist die staatliche Fluglinie des Golf-Emirats Abu Dhabi und hält 29 Prozent an Air Berlin.

Harte Sanierungsphase

Nach einer raschen Expansion in den vergangenen Jahren befindet sich Air Berlin derzeit in einer harten Sanierungsphase, die bisher nicht richtig zu greifen scheint. Der Lufthansa-Rivale ist mit rund 800 Mio. Euro verschuldet, das Eigenkapital ist aufgezehrt.

Etihad hat seit 2011 eine halbe Milliarde Euro in die Airline gesteckt. Ohne den Großaktionär vom Golf stünden die Berliner vor dem Aus.

Um wieder auf Gewinnkurs zu kommen, wird das Management-Board um die Funktion eines Chief Restructuring Officer (CRO) erweitert. Ab Mai werde Marco Ciomperlik die Funktion des CRO (Risikochef) übernehmen und die Neustrukturierung steuern. Ciomperlik war in den vergangenen fünf Jahren als Chief Maintenance Officer bei Air Berlin tätig. "Mit unserer erfolgreichen, umfassenden Rekapitalisierung gewinnen wir den notwendigen Handlungsspielraum, um die Fluggesellschaft grundlegend zu restrukturieren und zurück in die Profitabilität zu führen", wird Finanzchef Ulf Hüttmeyer in der Mitteilung zitiert.

Wegen der Verhandlungen über die Zukunft des Unternehmens hatte Air Berlin die Veröffentlichung der Geschäftszahlen zweimal verschoben. Die Verhandlungen sind nach Firmenangaben nun abgeschlossen. In einer Telefonkonferenz Montagvormittag erläuterte Air Berlin seine Jahreszahlen. (APA, 28.4.2014)

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.