Zoran Jankovic stürzt Sloweniens Regierung

Kopf des Tages27. April 2014, 18:28
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Poker-Spieler, der nur Erster sein kann

Das gerade Lächeln seiner Mundwinkel korrespondiert nur selten mit dem Ausdruck seiner Augen, so als wäre es ihm wie dem Joker eingegraben. Zoran Jankovic ist jemand, der lächeln können muss, weil er es liebt zu pokern. Freitagnacht hat er mit knapper Mehrheit die Wahl um den Vorsitz der Regierungspartei Positives Slowenien (PS) gewonnen.

Doch die Freude über diesen Sieg beschränkt sich auf ein paar Parteifreunde. Sogar von linken Publizisten wie Spomenka Hribar gab es scharfe Kritik an Jankovic. Es handle sich um einen "Sieg seines Egos über die Anliegen des Landes", schrieb sie. Denn der 61-jährige Jankovic hat nicht nur "Parteifreundin" Alenka Bratusek, sondern die gesamte Regierung gestürzt. Der Ökonom Joze Damijan sprach angesichts dieses Agierens von "terroristischen Aktionen".

Jankovic hat es offensichtlich nicht ertragen, dass er wegen Korruptionsvorwürfen nicht mehr Parteichef spielen konnte. Er ist einer, der nur Erster sein kann oder sonst lieber gar nichts. Das zeigte sich auch schon in seiner Karriere als Manager. Nachdem er in den 1980ern Karriere bei der Tourismus- und Handelskette Mercator gemacht hatte und nach einem Merger 1988 dort nicht Direktor wurde, verließ er die Firma. Das Gleiche wiederholte er 1990: Als er nicht Direktor von Emona wurde, gründete er die Firma Electa.

Korruptionsvorwürfe nach Bau von Fußballstadion

Zoran Jankovic wurde 1953 im serbischen Saraorci in sehr ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Serben und einer Slowenin geboren. Als er mit elf nach Ljubljana zog, konnte er kein Slowenisch. Er lernte, sich durchzubeißen. 1997 wurde er schließlich Chef von Mercator, machte die Firma zum Marktführer und expandierte. Als er 2005 abberufen wurde, verwandelte er wieder die Niederlage zu einem Sieg. 2006 wurde er mit großer Mehrheit zum Bürgermeister von Ljubljana gewählt. Er ließ ein Fußballstadion bauen, was ihm Korruptionsvorwürfe einbrachte. 2010 wurde er wiedergewählt, obwohl da bereits der Vorwurf des Amtsmissbrauchs zugunsten seines Sohnes Jure im Raum stand.

2011 holte er noch einmal aus und gründete seine eigene Partei, die sofort die meisten Stimmen bekam. Doch unfähig zur Teamarbeit, scheiterte sein Versuch, eine Koalition zu formieren. Ende 2012 wurde Jankovic zu den Korruptionsvorwürfen verhört. Er konnte die Herkunft von 2,4 Mio. Euro auf seinem Konto nicht erklären und musste sich als Parteichef zurückziehen. Bis vergangenen Freitag. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, 28.4.2014)

  • Zoran Jankovic bringt die Regierung zu Fall.
    foto: reuters/zivulovic

    Zoran Jankovic bringt die Regierung zu Fall.

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