"Tatort: Kaltstart" in Hamburg: Maximal inkompetent - Top oder Flop?

Ansichtssache27. April 2014, 19:17
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Es geht um Flüchtlinge aus dem Kongo, Menschenhandel und die abscheuliche Ausbeutungskette - Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller ermitteln.

foto: orf/ard/boris laewen

Wotan Wilke Möhring als Hamburger Hauptkommissar Thorsten Falke - das ist derjenige der neuen Tatort-Kommissare, von dem kaum mehr hängen geblieben ist als: Er trinkt Milch.

In seinem dritten Auftritt im Fall "Kaltstart" gibt es nun eine große Veränderung. Als erstes Ermittlerteam wechseln er und Kollegin Katharina Lorenz zur Bundespolizei, ehemals Bundesgrenzschutz. Besser wird die Sache deshalb nicht.

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Es geht um Flüchtlinge aus dem Kongo, Menschenhandel und die abscheuliche Ausbeutungskette, angesichts derer es einen nachhaltig vor der eigenen Spezies ekelt: Deutsche Hafenarbeiter werden Opfer von Fehlspekulationen und Rationalisierung, satteln um zum Schleuser und bringen Menschen ins Land, die zu Hungerlöhnen im Schlachthof ackern müssen - für Fleisch, das sich der unterbezahlte Hafenarbeiter dann wahrscheinlich bei Aldi oder Lidl kauft.

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Thematisch hätte das gereicht; zumal, da der Umgang der Deutschen mit Flüchtlingen immer unschöner wird. Leider fanden aber noch andere tagespolitische Wichtigkeiten wie Waffenhandel oder Kampfdrohnen Eingang in diesen Tatort. Für die Charakterzeichnung der männlichen Hauptfigur blieb da naturgemäß nicht mehr viel Energie.

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So übereifrig man bei der Wahl der Themen war, so lieblos hat man Wilke Möhring einen Klischee-Mann aus dem vergangenen Jahrhundert ins Drehbuch geschrieben. Kommissar Falke rumpelt mit maximaler sozialer Inkompetenz durch die Handlung, gleichermaßen unfähig zu Teamwork, Beziehungen oder dazu, Gefühle zu zeigen. Den Figuren bleibt am Ende dieser wüsten Geschichte nur der Wunsch nach einem Schnaps. Verständlich. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 28.4.2014)

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Euphorischer fällt das Urteil bei "Spiegel Online" aus. "Ein starker, stimmungsvoller 'Tatort'", heißt es und: "Der norddeutsche Proll-Cop Falke ist nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder auf dem richtigen Kurs."

"Welt Online" schreibt: "Nein, ein Kaltstart ist diese Krimifolge des NDR mit Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller gewiss nicht. Nur leider bedeutet der im doppelten Sinne fulminante Start nicht, dass auch der Rest der Geschichte hochtourig läuft."

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Zu einem zwiespältigen Resümee kommt süddeutsche.de: "Die Musik in diesem Tatort fühlt sich an wie Regentropfen, die Fensterscheiben entlangwandern. Momentaufnahmen voller Atmosphäre, kein Wort am falschen Platz. Stichwort Lademeister. Leider verliert sich die Story komplett hinter den schönen Bildern, sie meistert nicht ihre eigene Last."

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 27.4.2014)

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