Wiener SPÖ kontra Neos: Mut zur Selbstherrlichkeit

Kommentar27. April 2014, 18:13
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Häupl pokert mit der Absage an die Neos als Koalitionspartner hoch

"All in" nennt sich ein geflügelter Begriff im Pokern. Ein Spieler setzt seine gesamten Chips und geht auf alles oder nichts, weil er seinen guten Karten vertraut – oder weil er mit dem Rücken zur Wand alles auf einen großen Bluff setzt. Wiens Bürgermeister Michael Häupl ein riskantes Pokerspiel nachzusagen wäre übertrieben. Mit der Ankündigung, dass mit einer Wiener SPÖ unter seiner Führung eine Koalition mit den Neos nach der Wien-Wahl 2015 ausgeschlossen ist, setzt Häupl dennoch eine ordentliche Handvoll Chips aufs Spiel.

Wohlmeinende nennen die Attacke auf die "Privatisierer", wie Häupl die pinke Konkurrenz bezeichnet, selbstbewusst und mutig. Andere sehen darin einen Ausdruck seiner Selbstherrlichkeit. Denn nach wie vor hält es Häupl für ein Missverständnis, dass er 2010 der Absoluten im Rathaus verlustig ging. Das Ziel für die nächste Wien-Wahl ist, danach wieder mit niemandem Kompromisse schließen zu müssen, sagte Häupl beim Landesparteitag.

Davon ist derzeit freilich nicht auszugehen. Jüngste Umfragen legen nahe, dass sich die Roten zumindest einen Juniorpartner warmhalten sollten. Neos und auch die FPÖ fallen weg, sofern Häupl Wort hält. Bleiben realistisch gesehen Grüne und ÖVP über. In den letzten Wochen hielt sich die SPÖ auffallend mit ihrer Meinung zum grünen Koalitionspartner zurück: Sie ignorierte ihn. Auch das sagt viel über das Selbstverständnis der Wiener Roten aus. (David Krutzler, DER STANDARD, 28.4.2014)

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