Wenn Schweine fliegen

28. April 2014, 05:30
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Schweine-Importe von einer Gletscherinsel und anderen exotischen Orten: Experten gehen davon aus, dass so weit gereistes Vieh nicht im Supermarkt landet. Um viel Geld eingeflogen werden Zuchttiere - wenn auch nicht aus antarktischen Gefilden

Wien - Nach allem, was man weiß, ist in der Gegend kein Schwein: Die vergletscherte Bouvet-Insel zwischen der Antarktis und der Südspitze Afrikas gilt als unbewohnt. Wie DER STANDARD berichtete, dokumentiert die offizielle Statistik dennoch Borstenviehimporte von dem Vulkaneiland - und auch von anderen exotischen Orten wie Hongkong, den Seychellen oder Bangladesch sollen Schweine nach Österreich gefunden haben.

Eine Anfrage der FPÖ an den Landwirtschaftsminister macht die Sache zum Politikum: Bekommt der tierschutz- und umweltbewusste Konsument Fleisch aufgetischt, das auf dem Weg zum Grill tausende Kilometer - mitunter auch lebend - zurückgelegt hat?

Zu hohe Transportkosten

Anka Lorencz von der Wirtschaftskammer kennt zwar nicht die Route jedes künftigen Schnitzels, traut sich aber dennoch zu sagen, dass so weit gereiste Schweine bestimmt nicht im Kühlregal landeten. Viel zu hoch seien die Transportkosten, sagt die Fachfrau: "Niemand legt einen Goldbarren für Schweinefleisch hin." Im Gegenteil: Ein Kilo Schweinernes gibt's in den heimischen Supermärkten ab 3,50 Euro.

Sehr lange Strecken legen naturgemäß Zootiere zurück. Allerdings handelt es sich dabei meist um Einzelstücke, und die 2011er-Lieferung aus Hongkong etwa umfasste laut Statistik immerhin 38.000 Kilo "Schwein lebend".

Zuchtschweine für "internationalen Blutaustausch"

In Mengen eingeflogen werden hingegen Zuchtschweine, sagt Hans Schlederer von der "Schweinebörse", einer Plattform heimischer Schweinebauern - zum "internationalen Blutaustausch". Schlederer erinnert sich etwa an eine Fuhre besonders fruchtbarer chinesischer Tiere nach Spanien oder an eine Lieferung aus Kanada nach Österreich. Die Gene der Zuzügler aus Übersee versprachen lecker marmorierte, also fein durchzogene Koteletts.

Aus exotischen Gefilden stammen auch "Minipigs", die als Haustiere in Mode gekommen sind. Denn Schweine, sagt Lorencz, "sind stubenrein, dressierbar und neugierig wie ein Hund". Beim Rätsel um die lebensfeindliche Eisinsel glaubt Lorencz hingegen an eine profane Erklärung: einen Irrtum in der Statistik. (jo, DER STANDARD, 28.4.2014)

  • Ob tot oder lebendig: Schweine stammen hierzulande meist aus Österreich oder dem Rest Europas - doch es gibt kuriose Ausnahmen.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jens büttner

    Ob tot oder lebendig: Schweine stammen hierzulande meist aus Österreich oder dem Rest Europas - doch es gibt kuriose Ausnahmen.

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