Eilig, eilig - zwei Päpste wurden heilig

27. April 2014, 16:52
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Vor, während und nach der Doppelheiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. war ganz Rom im Ausnahmezustand. Im Vorfeld waren während des Verfahrens in beiden Fällen kirchenrechtliche Vorschriften großzügig umgangen worden

Gruppen von Jugendlichen skandierten die Namen der Päpste und sangen religiöse Lieder mit Gitarrenbegleitung. Noch am frühen Sonntagmorgen trafen dutzende weitere Pilgerbusse ein, viele aus Polen, der Heimat von Johannes Paul II., sowie aus dem lombardischen Bergamo, Heimatstadt von Johannes XXIII..

Der Massenansturm wurde von 10.000 Sicherheitskräften überwacht, der Luftraum über Rom war gesperrt. Scharfschützen, Bombenexperten, Hundestaffeln und Motorradeinheiten patrouillierten durch die ganze Stadt. Wegen des Gedränges hatten Rettungskräfte erhebliche Mühe, Pilger zu erreichen, die den Strapazen nicht standgehalten hatten.

Dann sprach Papst Franziskus  am Sonntag auf dem Petersplatz seine verstorbenen Vorgänger Johannes Paul  II. und  Johannes XXIII. heilig. Zehntausende  jubelten, als Franziskus kurz nach zehn Uhr die lateinische Formel zur Kanonisierung verlas und die neuen Heiligen der Verehrung der Gläubigen empfahl.

Ratzinger nahm teil

Erstmals in der Kirchengeschichte nahm an der Zeremonie mit Joseph Ratzinger auch ein emeritierter Papst teil. Zur Heiligsprechung war eine Million Gläubige nach Rom gekommen. Zehntausende, die den Petersplatz wegen des Andrangs nicht erreichen konnten, verfolgten die Zeremonie auf 16 Großbildschirmen in der römischen Innenstadt. Tausende hatten die Nacht im Freien verbracht, bis sie ab 5.30 Uhr bei Regenwetter auf den Petersplatz und in die benachbarte Via della Conciliazione strömen konnten.

An der Zeremonie beteiligten sich 150 Kardinäle und rund 1000 Bischöfe aus aller Welt. 24 Staatsoberhäupter waren zur Heiligsprechung nach Rom gekommen, darunter auch Simbabwes Staatspräsident Robert Mugabe, gegen den die EU ein Einreiseverbot verhängt hat, welches aber nicht für den Vatikan gilt.

Rund zwei Milliarden Fernsehzuseher

Die doppelte Heiligsprechung war ein Medienereignis, das von rund zwei Milliarden Menschen in aller Welt im Fernsehen verfolgt wurde.

Auch in Polen hatten sich Tausende mit nächtlichen Gebetswachen auf öffentlichen Plätzen und in Kirchen auf die Heiligsprechung von Johannes Paul II. vorbereitet. Auf dem Warschauer Pilsudski-Platz kamen trotz kühler Temperaturen und Dauerregens etwa 1500 Menschen zusammen. In Krakau versammelten sich die Gläubigen unter dem "päpstlichen Fenster" des Bischofspalastes, dessen Fassade zur "Leinwand" einer Videoinstallation mit Zitaten und Filmeinspielungen von Besuchen Johannes Pauls wurde.

Beide Heiligsprechungen erfolgten unter Umgehung der kirchenrechtlichen Vorschriften: Bei Karol Wojtyla wurde das Verfahren vor der zulässigen Frist von fünf Jahren eingeleitet. Und bei Angelo Roncalli fehlte das vorgeschriebene Wunder.

Gefälschte Souveniers

Vor der Heiligsprechung hatte die italienische Polizei rund 700.000 gefälschte Souvenirs mit dem Bild von Papst Franziskus, Johannes Paul II. und Johannes XXIII. beschlagnahmt. Die Uhren, Bilder und Rosenkränze im Wert von 3,5 Millionen Euro waren zu Dumpingpreisen verkauft worden. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 28.4.2014)

  • Die Heiligsprechung auf dem Petersplatz im Vatikan.
    foto: reuters/stefano rellandini

    Die Heiligsprechung auf dem Petersplatz im Vatikan.

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