Heiligsprechung im Kino: Hallelujah in Dolby Surround

27. April 2014, 14:56
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Heiligsprechung löste keinen Pilgeransturm in Kinos aus

Linz - "Sie haben heute freie Platzwahl. Defintiv." - der junge Mann hinter den Kinokassa händigt völlig stressbefreit die Karte für die Live-Übertragung der Heiligsprechung von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. aus. 15 Tickets werden es an diesem Vormittag im Cineplexx Linz letztlich sein. Der gemeine Katholik pilgert am Sonntag um 10.00 Uhr wohl eher in die Kirche als ins Kino. Oder bleibt dank Home-Entertainment-Anlage im heiligen Fernsehstuhl.

Keine Kino-Jause

Im Saal selbst offenbart sich dann ein vorher nicht bedachter Vorteil klerikaler Live-Events im Kino. Popcorn, Nachos, Käse-Dip und XXL-Softdrinks passen offensichtlich nicht zu den "Ehren der Altäre". Was das Kino-Erlebnis angenehm raschel-  schlürf- und geruchsfrei macht.

Gebannt folgen die 15 Cineasten dem perfekt inszenierten Treiben auf dem Petersplatz. Und das gewählte Kinoprogramm gefällt. "Ich bin total begeistert. Man hat dank großer Leinwand das Gefühl, direkt in Rom dabei zu sein", schwärmt Franz Reichhart. Der Autohändler aus Perg hat Karten für sich und seine Frau bereits vor einer Woche reserviert: "Ich habe  mit mehr Leuten gerechnet. Die Menschen sind heute faul und viel zu egoistisch. Aber Glaube und Liebe muss man leben, nur dann wird es auf dieser Welt schöner."

Flohmarkt als Publikumsmanget

Mit jenen Kritikern, die in der Heiligsprechung nur eine große Kirchen-Show sehen, hat Reichhart kein Problem: "Es braucht diese Inszenierung, damit auch der kleine Mann so wie ich das alles versteht. Es wäre etwas vollkommen anderes, würden die Heiligsprechungen in einem Hinterzimmer des Vatikans passieren."

Zwei Reihen weiter setzt ein älterer Herr angesichts der Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. zum  Spontan-Applaus an: "I bin eben a Fan vom Tschäpä Zwa"

Den wahren Publikumsanstrum erlebt an diesem sonnigen  Sonntagvormittag übrigens der Flohmarkt auf dem Parkplatz des Linzer Kinos. Viele alte und gebrauchte Schätze scheinen dort Käufern und Verkäufern heilig zu sein. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 28.4.2014).

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