Warum sich Google nicht für akademische Titel interessiert

27. April 2014, 13:02
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Eine universitäre Auszeichnung ist keine Garantie für Talent oder Charakterstärke

IT-Riese Google gehört zu den angesehensten Arbeitgebern der Branche und ist bereit, talentiertem Personal gute Löhne und Arbeitsbedingungen zu bieten. Dementsprechend trudeln in Mountain View oft Bewerbungen von Eliteuni-Absolventen ein, mit welchen sich unter anderem Personalchef Laszlo Bock befasst.

Er hat der New York Times nun einen kleinen Einblick in seine Arbeit gegeben. Bei Venturebeat lässt sich zusammenfassend nachvollziehen, wieso man aber nicht unbedingt einen akademischen Titel besitzen muss, um bei Google anheuern zu können.

Mit klarem Fokus auf die Uni

Natürlich sagt Bock nicht, dass man generell auf ein Studium verzichten sollte. Er rät jedoch, intensiv darüber nachzudenken, welche Hochschullaufbahn man einschlagen möchte. Denn immerhin handelt es sich um ein – besonders in den USA – finanziell und zeitlich teures Investment.

Man müsse sich ständig damit befasse, das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Ein akademischer Grad sei heutzutage keine Garantie mehr, dass man über das notwendige Rüstzeug zum Erfolg verfüge. Oder andersrum betrachtet: "Man braucht keinen Titel, um talentiert zu sein", so Bock. Man müsse als Verantwortlicher auch ein Auge auf jene haben, die ganz ohne Universität ihren Weg nach oben finden, verfügen diese doch möglicherweise über ungemeines Potenzial.

Wissen und Fähigkeiten

Titel seien ein Zertifikat für Expertise, aber nicht für Fähigkeiten, meint Bock. Er verrät, dass man über ein Grundwissen über einen bestimmten Bereich verfüge, aber nicht, ob man mehr drauf hat, als die von der Universität geforderten Prüfungen zu absolvieren.

Menschen seien von ihrer Natur aus kreative Geschöpfe und keine Wesen, deren Denken umfassend logisch strukturiert sei. Letzteres, das Denken in Logik und Strukturen, müsse erlernt werden.

Ebenso bedeutend wie Wissen sei es auch, Mut bzw. Charakterstärke ("grit) beweisen zu können – und sich in eine Sache verbeißen zu können, meinte einst schon Google-Vorstand Eric Schmidt. Ein akademischer Grad verrät Google nicht, ob ein Bewerber wirklich schlau und zu harter Arbeit bereit ist.

Bewerbungstipp: Gedankengänge erklären

Für Bewerbungsgespräche rät Bock, eine besonders wichtige Qualität von sich selbst anzupreisen und zu zeigen und zu erklären, wie man diese bereits erfolgreich zur Anwendung gebracht habe. Besonders wichtig sei es, das eigene Vorgehen und die Gedankengänge dahinter gut erklären zu können – etwas, womit sich viele Jobkandidaten nach wie vor schwer tun. (gpi, derStandard.at, 27.04.2014)

  • Wer zu Google will, muss nicht unbedingt Absolvent einer Ivy League-Universität sein.
    foto: ap

    Wer zu Google will, muss nicht unbedingt Absolvent einer Ivy League-Universität sein.

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