Rassismus-Skandal um Clippers-Besitzer

27. April 2014, 14:32
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In einem Gesprächsmitschnitt soll sich Donald Sterling gegenüber seiner Freundin rassistische Aussagen geleistet haben

Los Angeles - Die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA untersucht einen möglichen Rassismusvorfall bei den Los Angeles Clippers. Ein Sprecher teilte mit, dass man Audioaufnahmen prüfe, die das Tratschportal "TMZ" erhalten habe. Darauf soll Clippers-Besitzer Donald Sterling zu hören sein, wie er im Gespräch mit seiner Model-Freundin V. Stiviano rassistische Bemerkungen macht.

"Es stört mich, dass Du öffentlich Deinen Umgang mit Schwarzen zur Schau stellst", sagte der mutmaßliche Sterling in der Aufnahme. Offenbar geht es in dem zehnminütigen Mitschnitt um einen Streit wegen Fotos, die Sterlings Freundin, die selbst mexikanische und schwarze Vorfahren hat, auf Instagram gepostet hat.

Es handelt sich um eine inzwischen gelöschte Aufnahme mit der Basketball-Legende Earvin "Magic" Johnson. Dieser twitterte inzwischen, an Besuchen von Clippers-Matches kein Interesse zu haben, solange Sterling dort noch etwas zu sagen habe.

"Du kannst mit ihnen schlafen, du kannst sie mit nach Hause bringen, du kannst machen, was du willst. Ich bitte dich nur, das nicht zur Schau zu stellen und sie nicht mit zu meinen Spielen zu bringen", sagt Sterling in dem Mitschnitt ebenfalls.

Ein Mann mit Geschichte

Der 80-jährige Milliardär, der sein Vermögen mit Immobiliengeschaften gemacht hat, soll in der Vergangenheit mehrfach mit rassistischen Äußerungen auffällig geworden sein. 2009 bezahlte er 2,7 Millionen Dollar um einer entsprechenden Anklage zu entgehen. Sterling hatte sich geweigert, Appartements an Hispanoamerikaner, Schwarze und Familien mit Kindern zu vermieten. Die Clippers übernahm er bereits 1981, er ist damit dienstältester Besitzer der NBA.

"Die Äußerungen auf der Aufnahme sind verstörend und beleidigend, aber zu diesem Zeitpunkt haben wir keine weiteren Informationen", hieß es von Seiten der Liga. Man beabsichtige, dem Fall "so schnell wie möglich auf den Grund zu gehen", verlautete aus einem offiziellen Statement von NBA-Commissioner Adam Silver.

Die Clippers wollten die Identität des Sprechers in dem Mittschnitt zwar vorerst nicht bestätigen, kündigten aber ebenfalls Untersuchungen an. Klub-Präsident Andy Roeser meinte in einem Statement, dass Sterling ausdrücklich betone, dass die Aufnahme in keiner Weise seine Ansichten oder Gefühle widerspiegle.

Selbst Obama empört

Aber die Aufregung ist bereits groß. "In unserer Liga ist kein Platz für Donald Sterling. Ich kann mir nicht vorstellen, was in seinem Kopf vorgeht", sagte Superstar LeBron James von Meister Miami Heat. Lakers-Star Kobe Bryant nannte die Äußerungen "eine verdammte Schande. Leider ist es traurige Realität, dass wir solche Menschen in unserer Welt haben."

Der farbige Clippers-Trainer Glenn "Doc" Rivers sagte, "es macht uns alle wütend. Es geht darum, menschlich zu sein. Es kümmert uns nicht, welche Rasse wir haben". Clippers-Star Chris Paul, der auch der Spielergewerkschaft NBAPA vorsteht, bezeichnete den Fall als "sehr ernste Angelegenheit, die wir aggressiv thematisieren werden".

Auch US-Präsident Barack Obama, ein bekennender Basketball-Fan, äußerte sich im Rahmen seiner Asien-Reise zu den Auslassungen, die er "unglaublich beleidigend" und "rassistisch" nannte. Obama betonte, dass die NBA tief in der afro-amerikanischen Kultur verwurzelt sei. Nachdem Earl Lloyd 1950 als erster dunkelhäutiger Spieler auf dem Parkett gestanden hatte, haben inzwischen knapp drei Viertel der Spieler diese Hautfarbe.

Gespielt wurde auch

Auf sportlichem Feld gelang den Dallas Mavericks in den Playoffs ein wichtiger Heimsieg. Dank eines spektakulären Drei-Punkte-Wurfes von Vince Carter in der Schlusssekunde setzten sich die Mavericks am Samstag gegen die San Antonio Spurs 109:108 durch. In der Best-of-seven-Serie führt Dallas jetzt mit 2:1 und hat am Montag wieder Heimrecht.

Erfolgreichster Mavericks-Werfer war Spielmacher Monta Ellis mit 29 Punkten, für San Antonio kam Tim Duncan auf 22. Der Sieg der Mavericks gegen das beste Team der Vorrunde war schwer erkämpft. "Das ist vielleicht nicht immer hübsch anzuschauen, aber wir spielen hart und müssen mit allem, was wir haben, angreifen", sagte Dallas-Star Dirk Nowitzki nach dem Spiel.

Titelverteidiger Miami Heat stellte indes mit einem 98:85 bei den Charlotte Bobcats auf 3:0. James verzeichnete 30 Punkte, Charlottes Al Jefferson brachte es auf 20.

Boykott stand im Raum

Die Clippers sind in der ersten Postseason-Runde ebenfalls noch vertreten. Sie liegen in der Serie gegen die Golden State Warriors mit 2:1 in Führung. Eine Bürgerrechtsbewegung plant für Dienstag eine Demonstration vor dem Staples Center, der Heimstätte von Los Angeles. Das Team selbst erwog einen Boykott des Spiels in Oakland am Sonntag, entschied sich letztlich aber für ein Antreten. (sid/APA/red - 27.4. 2014)

ERGEBNISSE NBA-Playoff vom Samstag:

Eastern Conference, Viertelfinale (best of seven):

Charlotte Bobcats - Miami Heat 85:98 - Stand in der Serie: 0:3
Atlanta Hawks - Indiana Pacers 88:91 - Stand: 2:2

Western Conference, Viertelfinale (best of seven):

Dallas Mavericks - San Antonio Spurs 109:108 - Stand: 2:1
Memphis Grizzlies - Oklahoma City Thunder 89:92 n.V. - Stand: 2:2

  • Donald Sterling (mit Freundin, rechts im Bild) redet mutmaßlich Stuss.
    foto: ap/terrill

    Donald Sterling (mit Freundin, rechts im Bild) redet mutmaßlich Stuss.

  • Stellt rasche Aufklärung in Aussicht: NBA-Commissioner Adam Silver.
    foto: apa/epa/brown

    Stellt rasche Aufklärung in Aussicht: NBA-Commissioner Adam Silver.

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