Hauseinsturz in Wien war Folge eines Suizids

27. April 2014, 18:30
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Ein 19-Jähriger dürfte in selbstmörderischer Absicht die verheerende Hausexplosion in Wien ausgelöst haben. Kurz zuvor hatte er Freunden via SMS und Facebook mitgeteilt, dass das sein letzter Tag sein werde

Wien - Einen Tag nach der schweren Hausexplosion in 15. Wiener Gemeindebezirk war die äußere Mariahilfer Straße am Sonntag immer noch gesperrt. Für zahlreiche Schaulustige, die das sonnige Wetter für einen Abstecher zum Unglücksort nutzten, war bei der Grenzgasse Schluss mit Katstrophenschauen. Die Feuerwehr musste zunächst noch Außenmauern sichern, damit die Reste des zerstörten Daches abgetragen werden konnten. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der Hauseinsturz die Folge eines Selbstmordes mit entzündetem Gas war. Der 19-Jährige, der am Samstag kurz nach seiner Bergung verstorben war, dürfte die Explosion ausgelöst haben. In seiner Hand hatte er noch ein Feuerzeug.

Mehrere Bekannte des jungen Mannes bestätigten im Gespräch mit dem STANDARD, dass er angekündigt habe, Suizid zu begehen. "Wir haben ein SMS erhalten, in dem er schrieb, dass das sein letzter Tag ist", schilderte eine Freundin. Auch via Facebook habe er Ähnliches gepostet, auf Nachfragen aber nicht mehr reagiert.

Bei der Polizei hieß es am Sonntag, dass der 19-Jährige Liebeskummer gehabt haben könnte. Seinen Freunden zufolge hat er außerdem "ständig Stress mit der Familie und der Polizei" gehabt. Zuletzt habe er im Rahmen eines außergerichtlichen Tatausgleiches Sozialdienst geleistet. "Aber dass er so verzweifelt war, hat niemand mitbekommen. Ich glaube nicht, das er auch anderen Schaden zufügen wollte, seine Oma, die er sehr gerne hatte, hat auch in dem Haus gewohnt", meinte die Freundin.

14 Personen verletzt

Insgesamt wurden bei dem Hauseinsturz 14 Personen verletzt, die meisten davon konnten aber bereits am Samstag wieder das Spital verlassen. Eine 48 Jahre alte Frau war knapp acht Stunden nach der Explosion schwer verletzt geborgen worden. Die Frau, die in einem Hohlraum überlebt hatte, wurde zunächst in der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt und wurde am Sonntagvormittag auf eine Normalstation verlegt, sagte eine Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbundes. Ein weiterer Patient befand sich zunächst noch auf der Intensivstation, akute Lebensgefahr bestand aber laut Ärzten nicht.

Ob das Haus Nummer 182 in der äußeren Mariahilfer Straße gerettet werden kann, war noch offen. Es handelt sich um einen Altbau mit drei Obergeschoßen, im Erdgeschoß befinden sich kleinere Geschäftslokale. Durch die Wucht der Explosion ist das Gebäude ab dem zweiten Obergeschoß ungefähr bis zur Hälfte eingestürzt. Der Verkehr sollte erst wieder freigegeben werden, wenn Fachleute ausschließen, dass Erschütterungen durch vorbeifahrende Lkws oder Straßenbahnen das Haus nicht weiteren einstürzen lassen können.

In dem Gebäude waren rund 50 Personen gemeldet. Die Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, zogen vorerst zu Verwandten oder in Ersatzquartiere, die von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt wurden. (simo, DER STANDARD, 28.4.2014)

  • Aufräumarbeiten am Sonntag. Die beiden Obergeschoße sind vermutlich nicht zu retten.
    foto: christian fischer

    Aufräumarbeiten am Sonntag. Die beiden Obergeschoße sind vermutlich nicht zu retten.

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