ÖVP beschwört die "DNA Europa"

Reportage25. April 2014, 21:23
124 Postings

ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas feierte seinen Wahlkampfauftakt in Linz - Dort, wo er 1985 mit der Jungen ÖVP für den EU-Beitritt geworben hat

Linz – Natürlich ist es kein Zufall, dass die ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Othmar Karas in Linz ihren offiziellen EU-Wahlkampfauftakt feiert. Denn wie heißt doch der - zugegeben schon mehr als oft zitierte - Slogan: In Linz beginnt's, nicht nur "der Lauf zur Nummer 1 bei der Europawahl am 25. Mai", wie Vizekanzler Michael Spindelegger ankündigt.

Für Karas ist Oberösterreich "ein guter Boden". War es doch Landeshauptmann Josef Pühringer, seinerzeit stellvertretender Vorsitzender der Jungen ÖVP, der ihn zum jüngsten Nationalratsabgeordneten machte. "Hier hat mich Sepp zum Listen-Ersten für die Nationalratswahl 1983 vorgeschlagen. Im Linzer Ursulinenhof  haben wir als Junge ÖVP 1985 beschlossen, dass Österreich der Europäischen Union beitreten soll", erklärt Karas den tausend Partei-Anhängern. Aus ganz Österreich waren sie angereist, um sich von allen ihren Kandidaten zur Europawahl und fast der kompletten Wiener Regierungsriege für den Wahlkampf mobilisieren zu lassen.

Kein "C-Kandidat"

"Fünf Jahre hört und sieht man nichts von den Abgeordneten in Brüssel, das macht es nicht leicht", meint ein ÖVPler aus dem Bezirk Linz-Land. Für ihn sitzen in der Kommission aber ohnehin "nur Politiker der zweiten Klasse". Dennoch wiegelt seine Frau ab: "Es ist unsere Pflicht wählen zu gehen. Gerade wir Frauen haben jahrhundertelang für dieses Recht gekämpft". Ihr Mann sagt achselzuckend: "Ja, wählen ist wichtig, aber ob gültig oder nicht". In seiner Rede wird ihm Landeshaupmann Pühringer erklären, dass Othmar Karas kein "C-Kandidat" sei, denn solch einer werde nicht Vizepräsident des Europäischen Parlaments.

"Eugen zu und durch"

Zu verteidigen hat die ÖVP bei dieser Wahl viel, immerhin wurde sie bei der letzten Wahl 2009 mit 30 Prozent klar erster. Zuletzt sah eine "PollWatch"-Prognose auf Basis von mehreren Umfragen die Partei mit 24,3 Prozent allerdings nur knapp vor der SPÖ. Und so übernimmt Generalsekretär Gernot Blümel die Rolle des Einpeitschers, der zuerst einmal die Konkurrenz durch den Kakao zieht. So entpuppe sich SPÖ-Quereinsteiger Eugen Freund als "Querschläger", weshalb den Roten nur eines bleibe: "Eugen zu und durch." Den Grünen attestiert er ein Herz für Gemüse: "Sie plakatieren Gurken und Tomaten und kämpfen in Wien für Häupl". Die Lacher bleiben erwartungsgemäß nicht aus.

Für seine Arbeit als Generalsekretär bedankt sich Spindelegger anschließend extra, bevor auch er zu Durchhalteparolen aufruft und die "DNA Europa" bei der ÖVP heraufbeschwört. Und wer könnte dafür besser stehen als der frühere Vizekanzler und Bundesparteiobmann Alois Mock, der als Ehrengast zum EU-Wahkampfauftakt nach Linz gekommen ist. Als dessen Ehefrau Edith ihn im Rollstuhl in den Saal schiebt, hält es keinen der Zuhörer auf seinem Platz.

Loblied auf Brüssel

Auch EU-Spitzenkandidat Karas beginnt seine Rede mit einer Würdigung Mocks. Danach hält er das Loblied auf die ÖVP in Brüssel. Angefangen damit, dass Paul Rübig erreicht habe, dass die Roaming-Gebühren nächstes Jahr fallen werden. Der Kärntnerin Elisabeth Köstinger gratuliert er zu ihrer jüngsten Auszeichnung in Brüssel: der Award für die beste EU-Parlamentarierin im Agrarbereich. Auch sich selber nimmt Karas nicht aus. Er unterstreicht seine Erfahrung, Kompetenz, Durchsetzungsvermögen und wirtschaftlichen Sachverstand.

Nach knapp einer Dreiviertelstunde Rede versichert er zum Abschluss den Parteianhängern: "Ich will die Wahl gewinnen. Wenn es um Europa geht, sind wir die politische Kraft für alle, die in Europa in erster Linie eine Chance und keine Bedrohung sehen." Im Publikum werden Karas-Plakate in die Höhe gehalten. Für den Heimweg gibt es noch für jeden ein Sackerl mit Werbematerial. Zwei ÖVPler aus Gallneukirchen wollen jedenfalls kräftig die Werbetrommel rühren. "Es wird an alle Haushalte eine Zeitung geben". Und einen Tag vor der Wahl wollen sie ausrücken, um die Kurzentschlossenen zu überzeugen, am 25. Mai ihre Stimme Othmar Karas zu geben. (Kerstin Scheller, 25.4.2014, derstandard.at)

  • Othmar Karas hat ein klares Ziel vor Augen: "Ich will die Wahl gewinnen."
    foto: apa/rubra

    Othmar Karas hat ein klares Ziel vor Augen: "Ich will die Wahl gewinnen."

Share if you care.