Überleben dank Niedrigzinsen

25. April 2014, 19:18
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Hälfte der Tourismusbetriebe verdient Kosten nicht

Wien - Die Guten werden besser, die Schlechten bleiben schlecht. Das ist das Ergebnis einer Analyse betriebswirtschaftlicher Kennzahlen von 9000 Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben durch die KMU Forschung Austria. Es sei erstaunlich, dass es bisher kaum Insolvenzen gegeben habe, sagte Institutsleiter Peter Voithofer bei der Präsentation der Studie, die von der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer beauftragt wurde. Ein möglicher Grund: die Niedrigzinsphase, die seit mehreren Jahren anhält.

Eine zweite mögliche Erklärung sei der hohe Anteil (80 Prozent) von Familienbetrieben. Den Betrieb unter allen Umständen zu retten und an die nächste Generation weiterzugeben stehe im Vordergrund. Dafür werde auch die eine oder andere Form von Selbstausbeutung in Kauf genommen.

Wie kritisch es um die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe bestellt ist, zeigen folgende Zahlen: Die Umsatzrentabilität der Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe lag zuletzt bei durchschnittlich 1,3 Prozent und damit sogar noch tiefer als im Bau (2,9 Prozent), Handel (2,3) oder Verkehr (1,4). Rund die Hälfte der untersuchten Tourismusbetriebe machen gar keinen Gewinn; 45 Prozent weisen eine negative Eigenkapitalquote aus - und das schon seit langer Zeit ohne merkliche Verbesserung. Sollten die Zinsen steigen, könnte es für viele Betriebe eng werden, glaubt Voithofer.

Zusätzliche Probleme zeichnen sich durch strenge Kreditvergaberichtlinien der Banken ab (Basel III). Bei der Tourismusbank ÖHT ist man deshalb mehr denn je bemüht, mit Haftungen einzuspringen. "Eines ist jedenfalls klar: So gut wie alle erfolgreichen Betriebe investieren", sagte Geschäftsführer Wolfgang Kleemann.

Dämpfer bei Kongressen

In Wien ist die Situation im Tourismus noch eine Spur diffiziler. Dort sind im Vorjahr viele neue Betten hinzugekommen, weitere Hotels stehen vor der Eröffnung. Erstmals seit längerer Zeit hat der Kongresstourismus, bei dem die Bundeshauptstadt europaweit eine Spitzenposition einnimmt, nicht mehr Nächtigungen generiert.

2013 wurden in Wien in Summe 3389 Kongresse und Firmenveranstaltungen (plus 13) mit gut 501.000 Teilnehmern (plus ein Prozent) verzeichnet; die durch den Kongress- und Tagungssektor ausgelösten Nächtigungen sind aber um acht Prozent auf 1,4 Millionen gesunken, die Wertschöpfung war mit 832 Millionen Euro gar um neun Prozent niedriger als im Jahr 2012. (stro, DER STANDARD, 26.4.2014)

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