Indiens Wahlkampf: Kraftlose Wahlhelfer

Kommentar25. April 2014, 18:48
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Dass sich Modi in der Gestalt des dynamischen Erneuerers etablieren konnte, geht vor allem auf das Konto der regierenden Kongresspartei

Enthusiastische Anhänger feiern zur Halbzeit des indischen Wahlkampfs jenen Mann als baldigen Retter aus wirtschaftlicher Not, in dessen Zeit als Regierungschef im Bundesstaat Gujarat die religiöse Unruhen von 2002 mit mehr als 1000 Toten fallen. Für seine Rolle, die bestenfalls als Inaktivität zu beschreiben ist, hat Narendra Modi, Spitzenkandidat der Hindu-Partei BJP, bisher keine klaren Worte gefunden. Sein Team musste sich dennoch jüngst sogar von "Har, Har Modi"-Rufen distanzieren - Heilswünschen, die sonst der Gottheit Shiva vorbehalten sind.

Es mag nur wenig beruhigen, dass kaum einer unter jenen Wählern, die ihm nun ihre Stimme geben, das wegen seiner Nähe zu radikalen Hindu-Nationalisten tut. Wirtschaftliche Überlegungen und ein Überdruss mit Korruptionsskandalen der Regierung dominieren den Wahlkampf.

Dass sich Modi in der Gestalt des dynamischen Erneuerers etablieren konnte, geht vor allem auf das Konto der regierenden Kongresspartei: Ihr ist es zuletzt nicht mehr gelungen, die Flut an Meldungen über Korruption, Regierungschaos und vor allem die schlechte Wirtschaftslage zu überdecken. Dynastie-Kandidat Rahul Gandhi bestärkt als schwacher Wahlkämpfer noch jenen kraftlosen Eindruck, den der scheinbar ohnmächtige Premier Manmohan Singh mit seiner Regierung geschaffen hatte. Das Beharren auf einem säkularen Indien als alleinigem Gegenprogramm zu Modi scheint sich als Sackgasse zu erweisen. (Manuel Escher, DER STANDARD, 26.4.2014)

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