John Kerry, "Mann in der Arena", scheitert in Nahost

25. April 2014, 18:27
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Kritik an Pendeldiplomatie von US-Außenminister John Kerry wächst

Eigentlich gehört es zu John Kerrys Talenten, selbst dann einen Silberstreif zu erkennen, wenn andere nur düstere Sturmwolken sehen. Der Ex-Senator aus Boston ist der Prototyp des amerikanischen Optimisten, und schon deshalb fällt auf, wie pessimistisch er auf einmal klingt. Die Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern durchlaufen ihre schwerste Krise, wenn sie nicht vor dem Scheitern stehen. Selbst US-Präsident Barack Obama hatte am Freitag den Konfliktparteien eine Pause empfohlen, wenn auch, um über die Konsequenzen eines Scheiterns nachzudenken.

Und auch der Vermittler selbst hat es offenbar satt, den freundlichen Schlichter zu spielen, der die Streithähne mahnt, ihm doch bitte Gehör zu schenken. Nun sei es an Israels Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Bereitschaft zum Kompromiss erkennen zu lassen, sagt Kerry.

Skeptischer Präsident

Reißt der Faden des Dialogs ab, bedeutet es das vorläufige Ende eines Projekts, das der 70-Jährige mit einer Geduld betrieb, wie sie schon lange kein amerikanischer Politiker mehr aufbringen wollte. 1991, nach dem Golfkrieg gegen Saddam Hussein, als die Solo-Supermacht USA im Zenit ihrer Macht stand, war es James Baker, der eine Nahostkonferenz in Madrid zimmerte. Zehn Jahre später ein neuer Anlauf: In der Waldidylle Camp Davids versuchte Bill Clinton, Ehud Barak und Jassir Arafat zum Ausgleich zu bewegen.

Diesmal schien es von Anfang an so, als beurteile der Präsident die Chancen eher skeptisch, während sein Außenminister die Ärmel hochkrempelte. Barack Obama hält sich schon deshalb zurück, weil er im Falle eines Fehlschlags nicht als naiver Weltverbesserer dastehen möchte. Das Wahlvolk, erschöpft von den Feldzügen im Irak und in Afghanistan, will Zurückhaltung. Kraftakte im Ausland sind unpopulär, nicht nur militärische, auch diplomatische. Kerrys robustes Engagement wirkt, als sei es aus der Zeit gefallen - wie der graumelierte Minister, der bisweilen an einen Patrizier des 19. Jahrhunderts erinnert.

Ohne Einsatz kein Erfolg

"Natürlich ist der Nahe Osten ein kniffliges Problem", sagte Kerry, als ihm der Republikaner John McCain vorwarf, nichts zu Ende zu bringen. "Wie schon Ihr Parteifreund Teddy Roosevelt bemerkte: Der Kredit gebührt jenen, die in der Arena stehen, die sich bemühen" - ohne Einsatz kein Erfolg.

Seit dem vergangenen Juli, als er die Verhandlungen einfädelte, absolvierte er nicht weniger als elf Pendelreisen nach Jerusalem und Ramallah, obwohl andere Themen drängten - der Bürgerkrieg in Syrien, der Atomstreit mit Iran, die Krise in der Ukraine. Schon damals als Kerry nach langen Telefonaten den Dialogbeginn verkündete, hieß es, er wolle den Erfolg mehr als die Hauptakteure.

Alte Nahostkenner raten dem glücklosen Pendler, es mit der kühlen Attitüde eines James Baker zu versuchen. Auch der Außenminister des alten George Bush war 1990 gegen Mauern gerannt, vor allem in Israel, beim damaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Shamir. Ohne Flexibilität, erklärte er im US-Kongress, gebe es keinen Frieden, die Vereinigten Staaten könnten ihn auch nicht herbeizaubern. "Eigentlich sollte jeder unsere Telefonnummer kennen", sagte er und nannte die Nummer des Weißen Hauses, 1-202-456-1414. "Wenn Sie es ernst meinen mit dem Frieden, rufen Sie an." (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 26.4.2014)

  • Elfmal war John Kerry seit Juli 2013 zu Gesprächen in Nahost. Kritiker sagten, er wolle den Erfolg mehr als seine Partner
    foto: ap/smialowski

    Elfmal war John Kerry seit Juli 2013 zu Gesprächen in Nahost. Kritiker sagten, er wolle den Erfolg mehr als seine Partner

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