Happy End mit Töpfen

25. April 2014, 16:48
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Die Ganztagsschule ist gerettet. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist schockiert

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) feierte ihren Triumph zurückhaltend. In kaltes, grünes Tuch gehüllt, ließ sie in der "ZiB 2" Lou Lorenz-Dittlbachers Fragen über sich ergehen. Die Zukunft der Bildung steht auf dem Spiel. In unseren pädagogischen Anstalten hängen die Böden durch. Im Bundesoberstufenrealgymnasium Wien Hegelgasse kann kein Flügel ins Musikzimmer geschoben werden, es droht dem Gebäude der Einsturz.

Die Lage ist bedrohlich. Die musizierende Jugend muss ersatzweise auf dem Kamm blasen. Man verlegt den Chorgesang in die frühe Mittagszeit, damit die Mägen mitknurren können. Schon klingt der Sound ein wenig voller. 57 Millionen Euro sollen heuer in der Bildung eingespart werden. Wie hatte die SPÖ einst so trefflich plakatiert? "Wir kämpfen für faire Bildung."

Doch Heinisch-Hosek hatte im Fernsehen plötzlich einen Sieg auf der ganzen Linie zu verkünden. Man helfe Kärnten "jetzt beispielsweise" (Hypo!), leiste aber irgendwie auch Beiträge für die Zukunft. Eines ist klar: Man wolle "den Kindern eine gute Zukunft bieten". Man fühlte sich an die Kunstfigur Dr. Udo Brömme erinnert ("Harald Schmidt Show"). Dessen Versprechen: "Zukunft für alle!"

Auf der Suche nach verwertbarer Penunze wurde man gemeinsam mit den Ländervertretern in seltsamen Töpfen fündig. Da hat wer sein Geld nicht abgeholt! Wahrscheinlich schlummert jede Menge Zaster auf irgendwelchen Dachböden, und nie holt ihn jemand ab. Das Geld liegt nicht auf der Straße, höchstens auf dem Bildungsweg. Die Ganztagsschule? Ist gerettet. Lorenz-Dittlbacher konnte das Happy End kaum glauben. Sogar Heinisch-Hosek wirkte ehrlich schockiert. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

  • Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek.
    foto: regine hendrich

    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

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