Die guten Nachrichten für die Nachrichten

25. April 2014, 16:36
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Alain de Botton, das Schweizermesser der Lebensweisheit, erklärt lösungsorientiert die Welt der Medien

Er tröstete mit Philosophie, lehrte die Kunst des Reisens und wie man mehr an Sex denkt, vermittelte das Glück der Architektur und predigte Religion für Atheisten. Höchste Zeit für Alain de Botton, das Schweizermesser der Lebensweisheit, lösungsorientiert eine Welt zu erklären, die heute meist Überlebens- und Beerdigungstipps hört: die Medien. Bottons "Bedienungsanleitung" für Konsumenten ist auch eine für ihre Macher. So konstruiert es komprimiert klingen mag, wenn Botton etwa von Promis und Hang zu Bewunderung, Neid und Schadenfreude den Bogen spannt zum alten Athen, wo Politiker, Athleten, Künstler Beispiel gaben, wie man leben soll, und zum Vorbild Heiliger.

Interviews mögen vermitteln: "Was können wir von dieser Persönlichkeit lernen?" Faszination für Verbrechen erklärt Botton als Selbstversicherung, dass wir ihrer nicht fähig wären, und als Erinnerung, uns unter Kontrolle zu halten. Profaner bemängelt er, Wirtschaftsberichte wirkten oft allein für Investoren verfasst. Weltnachrichten mögen jenseits von Krisen und Kriegen alltägliches Leben in anderen Ländern vermitteln.

Das ermögliche Empathie, Identifikation, Interesse. Und ein Botton muss enden mit: Erfülltes Leben braucht auch Zeit, anderer Menschen Regieren, Töten, Triumphieren, Scheitern, Gestalten hinter sich zu lassen und sich dem Eigenen zu widmen. Stimmt. (Harald Fidler, DER STANDARD/Album, 19.4.2014)

  • Alain de Botton, "The News. A User's Manual". € 17 / 272 Seiten. Hamish Hamilton / Penguin Group, London 2014.
    foto: katherine fawssett

    Alain de Botton, "The News. A User's Manual". € 17 / 272 Seiten. Hamish Hamilton / Penguin Group, London 2014.

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