Das Ende des Patriarchen

25. April 2014, 17:06
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Stube. An allen Wänden Jagdtrophäen

(Hinter einem schweren Holztisch im Bühnenvordergrund, den Blick starr ins Publikum gerichtet, der Patriarch, ein weißbärtiger Greis. In einem anderen Zimmer im Bühnenhintergrund, durch die halbgeöffnete Tür nur teilweise sichtbar, seine um weniges jüngere, doch rüstige Gattin, Socken strickend. Längere Zeit ist nichts zu hören als das Klappern ihrer Nadeln und das schwere Atmen des Patriarchen, dann:)

DER PATRIARCH: Jolanthe?

JOLANTHE: Ja?

DER PATRIARCH: Wegen der Mühlen ...

JOLANTHE: Ja?

DER PATRIARCH: Wasser ... Du musst noch Wasser ... Auf die Mühlen ... Wasser auf meine Mühlen gießen ...

JOLANTHE: Schon erledigt.

DER PATRIARCH: Erledigt?

JOLANTHE: Ja.

DER PATRIARCH: Bist du sicher?

JOLANTHE: Ja.

DER PATRIARCH: Du hast schon ... Du bist sicher, dass du ... Wasser... Du bist sicher, dass du Wasser auf meine Mühlen gegossen hast?

JOLANTHE: Ja.

DER PATRIARCH: Auf alle?

JOLANTHE: Ja.

DER PATRIARCH: Du bist sicher?

JOLANTHE: Ja.

(Pause)

DER PATRIARCH: Gut.

(Pause. Schweres Atmen. Das Klappern der Nadeln. Pause.

Das Atmen hört auf. Der Kopf des Patriarchen fällt nach vorn auf die Tischplatte.

Kurz Stille, dann wieder das Klappern der Nadeln. Vorhang)

(Antonio Fian, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

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