Bilder der Abschiebung

25. April 2014, 17:21
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Der 40-jährige Autor, Reporter und Radiomoderator Miltiadis Oulios erhellt im Salzburger Literaturhaus die Themen Kosmopolitismus, Theorie und Praxis der Abschiebungen oder Grenzen der Globalisierung

Salzburg - Der ziemlich alte Spruch, wonach man Reisende nicht aufhalten soll, gilt nicht für die gesamte Weltbevölkerung. Das weiß der 40-jährige Autor, Reporter und Radiomoderator Miltiadis Oulios, dessen Buch Blackbox Abschiebung: Geschichten und Bilder von Leuten, die gerne geblieben wären vor gut einem Jahr im Suhrkamp-Verlag erschienen ist - hervorgegangen aus der gleichnamigen Ausstellung des Filmemachers Ralf Jesse, die in über zwanzig deutschen Städten gezeigt wurde.

Mit diesem Buch im Gepäck klärt der Migrations- und Einwanderungsgesellschaftsspezialist am Montag nun auch die Salzburger Öffentlichkeit über die Themen Kosmopolitismus, Theorie und Praxis der Abschiebungen oder Grenzen der Globalisierung auf.

Dazu hat Oulios Kollege Jesse mittels Kamera und Mikrofon die Erlebnisse von Menschen aufgezeichnet, die aus relativ reichen europäischen Ländern wie Deutschland abgeschoben worden sind. Wenn Mainstream-Politiker hierzulande von Integration sprechen, dann sind die Ärmsten der Armen damit nicht gemeint.

Migranten, die in unserer Wohlstandsgesellschaft einfach ihr Glück suchen, wird das Recht auf Mobilität wie auf allgemeine Menschenrechte zumeist abgesprochen. Einen menschenunwürdigen Skandal nennt das der Kölner Journalist und Antirassist Oulios, der aus seinen Recherchen vor Ort - im Buch porträtiert er neun Schicksale - eine Theorie der Abschiebung entwickelt hat.

Er erklärt, was Abschiebung eigentlich heißt, was in einem Abschiebegefängnis passiert oder welchen Sinn eine Politik der Abschiebung ergibt. Oulios plädiert für eine transnationale Demokratie, zu der das Recht gehört, "seinen Ort" frei wählen zu können und nicht abgeschoben zu werden. Die weltweite Institutionalisierung eines solchen Rechts sei das Ziel einer Gesellschaft im 21. Jahrhundert.

Am Montag hat der Literaturverein Prolit Miltiadis Oulios zur Powerpoint-Präsentation, Lesung und Gespräch geladen. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

28.4., Salzburg, Literaturhaus, 20.00, 0662/42 24 11

  • Autor Miltiadis Oulios erörtert brisante Themen in Salzburg.
    foto: herby sachs

    Autor Miltiadis Oulios erörtert brisante Themen in Salzburg.

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