Die Windeln nieder!

25. April 2014, 16:00
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Paramilitärisches Geturtel und zweifelhafte Glaubensbekenntnisse zwischen "Baby-Aufrüstung" und Karfreitag

Gerald Klug hat es geschafft. Er braucht sich um seine Medienpräsenz in den nächsten Monaten keine Sorgen zu machen, sein Ressort kann also Inseratenkosten sparen, was wiederum gut ist, weil laut "Profil" 2015 dem Bundesheer der Zusammenbruch droht. Aber da ist der Steirer längst glücklicher Vater. In diesem Sinne feierte "Österreich" am Ostersonntag unter dem Titel Klug rüstet auf - Baby für Minister das schon nicht mehr ganz neue Ereignis. Vom Panzerwagen an die Wickelfront! forderte das Blatt, schwächte aber im selben Atemzug ab: Bevor es ans Windelwechseln geht, gönnen sich die Turteltäubchen jetzt noch ein paar Tage Osterurlaub in trauter Zweisamkeit.

Mit einer Forderung, die Bertha von Suttner glatt den Rang ablief, schaltete sich Mütterchen Dichand im Qualitätsblatt "Heute" in das paramilitärische Geturtel ein: Windeln statt Waffen! ließ sie fordern, und lieferte Klug damit den Titel für seine Memoiren, wenn er irgendwann Voves als steirischen Landeshauptmann ablöst: Die Windeln nieder! Bis dahin wird sich das ministerielle Fieber ja wohl gelegt haben, das er in "Heute" meldete: "Ich fiebere dem Vatersein entgegen!"

Wie berechtigt der Temperaturanstieg ist, geht in ganzer Tiefe nur aus "News" hervor, wo eine Arbeitskollegin der werdenden Mutter den Leserinnen und Lesern die historische Dimension ihrer Beziehung zum Kindsvater enthüllte. Seit den Zeiten der k. u. k. Armee hat das österreichische Militär an erotischer Strahlkraft dramatisch verloren. Das Auftauchen eines heutigen Leutnants dürfte nicht einmal mehr eine böhmische Köchin hinter dem Herd hervorlocken - vorausgesetzt, eine solche amtierte noch. Was heute amtiert, sind Gesellschaftspublizistinnen, die der erotischen Strahlkraft eines republikanischen Ministers nicht widerstehen können, was einer böhmischen Köchin möglicherweise mühelos gelungen wäre.

So aber: Angebliche vier Monate noch, und die diplomierte Qualitätsjournalistin Sandra Hrnjak, 31, kommt mit dem Kind von Verteidigungsminister Gerald Klug, 45, nieder. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist ungeteilt und überwiegend froher Natur, weiß die Gesellschaftspublizistin Nathalie Martens von den Turteltäubchen zu berichten.

Lang schon hatten Militärexperten geargwöhnt, hinter des Ministers betont sachlichen, ja harschen Umgangsformen könnte sich anderes verbergen, und man muss schon Militärexperte, oder zumindest Gesellschaftspublizistin sein, um hinter jemandem, der dem Vatersein entgegenfiebert, den Mimen zu erkennen: In der Tat mimte der Mann, der die hiesige Jugend Gehorsam und Gleichschritt lehrt, in Gesellschaft bisher eher den Ladestock als den Charmebolzen.

Sandra Hrnjak hingegen ist eine umtriebige Natur. Erst verdingte sie sich bei Puls-4 als Gesellschaftsredakteurin mit Seitenverpflichtung als Restaurant-Testerin. Dann belegte sie an der Donau-Uni das erwähnte Fach "Qualitätsjournalismus" und musterte folgerichtig beim Tagesperiodikum "Österreich" an, wo sie bis heute wirkt. Von der Donau-Uni zu "Österreich" - man kann Folgerichtigkeit auch übertreiben. Das Tagesperiodikum hat das Dienstverhältnis in seinem Bericht über Klugs Baby-aufrüstung verschwiegen.

So blieb es "News" vorbehalten, der Meinung einschlägiger Experten Raum zu geben. "Sie wollte immer schon heiraten und Kinder bekommen. Das war ihr Herzenswunsch, worauf soll sie also warten?" forscht Busenfreundin Anastasia Sokol, als Lugners ausgesetztes, und durch ein Spatzi ersetztes, "Katzi" selbst eine Gesellschaftsgröße erster Ordnung, nach Gründen. So hat der vom Ladestock zum Charmebolzen mutierte Minister doch noch Chancen, unter die Gesellschaftsgrößen erster Ordnung aufzusteigen.

Was zu einer anderen Gesellschaftsgröße erster Ordnung führt, zu einer, die das österliche Feld nicht allein dem Wiener Dompfarrer überlassen, sondern auch einmal Ostern erklären und ein persönliches Glaubensbekenntnis ablegen wollte. Vielleicht liege ich ja komplett falsch mit den nachfolgenden Zeilen an Dich, wenn ich voller Inbrunst und zutiefst überzeugt formuliere: Du bist die einzige wahre und wirkliche Hoffnung, die uns bleibt, so wir an Dich glauben.

Die volle Inbrunst, mit der Michael Jeannée da zutiefst überzeugt formulierte, galt aber nicht, im Sinne der Blattrichtung, dem Herausgeber der "Krone" als der einzigen Hoffnung, so wir an Dich glauben. Adressat war nur der Karfreitag, daher der Zweifel, komplett falsch zu liegen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

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