Lugner zeigt sein Spatzi her

Kolumne25. April 2014, 17:00
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Über die Macht der Spitznamen

Einfach geil: Kaum hat sich, was praktisch alle drei Monate vorkommt, wieder eine neue Maid aus der Alterskohorte 25 minus Hals über Kopf in Ritchie Lugner verliebt, da revanchiert sich der lendenstarke Wiener Altbaumeister auch schon wieder postwendend, indem er seiner jüngsten Eroberung einen absolut medientauglichen Spitznamen verpasst. Und bei den Medien, da kennt sich der Mörtel aus!

Wenn ich mich recht entsinne, so nannte er seine früheren Geliebten Katzi, Muschi, Schnecki, Bambi, Stöhni, Schlecki und Spritzi, alles Bezeichnungen im höheren Gamsigkeitsbereich, auf die wir Medienleute ja bekanntlich so scharf anschlagen wie Nachbars Lumpi bzw. ein Hund des Herrn Pawlow.

Den ultimativen Coup hat Lugner allerdings erst jetzt absolviert, da er seine neueste Freundin, die Kölner Krankenschwester Cathy Schmitz, kurzerhand auf den Namen "Spatzi" taufte. Und das, obwohl Frau Schmitz, wie sie selbst befand, wegen eines früheren pudelnackerten Engagements als Bunny beim Playboy ein "Hasi" eigentlich besser angestanden hätte.

Freilich: Wer, wenn nicht Lugner, hätte ein untrügliches Gespür dafür, dass "Spatzi" medial dreifach besser ist als "Hasi", weil kaum eine Zeitung der frivol-doppeldeutigen Formulierung "Lugner zeigt sein Spatzi her!" widerstehen würde? Selbst das bekannt seriöse Presseorgan Österreich ließ sich vom Spatzi anspitzen und verwandelte sich auf Tage hinaus geradezu in eine Art Spatzipost ("Weil alle anrufen und mein Spatzi sehen wollen, hole ich sie schon jetzt nach Wien").

Was uns diese ganze geile Geschichte lehren mag? Nun wohl dieses, dass man als angejahrter Baumeister bei der medienwirksamen Spitznamenvergebung an Geliebte stets eine außerordentliche Sensibilität an den Tag legen muss. Hätte Lugner Frau Schmitz zum Beispiel mit dem Namen "Beidl" ausgestattet, so hätte er damit sicher auch manchem heiteren Wortspiel den Weg bereitet ("Mörtel zeigt seinen Beidl her"). Andererseits ist der Spitzname "Beidl" für Damen zwischen 20 und 30 dermaßen ungewöhnlich, dass diesem Wortspiel etwas Gewolltes angehaftet hätte.

Eine der wenigen ungezwungenen Spitznamenalternativen zum "Spatzi" wäre wahrscheinlich "Nudel" gewesen. Die kann man ebenfalls herzeigen, und zur Not ginge sie auch als Bezeichnung für eine junge Frau hin. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

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