Zu gefährlich: Unsichere Zukunft für ägyptische Polit-Satire-Show

25. April 2014, 14:41
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Late-Night-Show in Zwangspause - Satiriker Bassem Jussif riss Witze über "ach so spannende" Wahl

Kairo - Der ägyptische Satiriker Bassem Jussif hat in seiner Late-Night-Show wahrscheinlich mehr für die politische Bildung seiner Landleute getan als so mancher Politiker. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass er bis zur Präsidentenwahl nicht mehr auftreten darf. Sein "Vergehen": Er hatte sich in seiner wöchentlichen Show über die für Ende Mai geplante Wahl lustig gemacht.

In der Folge vom vergangenen Freitag riss er einen Scherz nach dem anderen über diese "ach so spannende" Wahl, an deren Ende ohnehin nur einer gewinnen kann: Der von den staatlichen Medien zum Superhelden stilisierte ehemalige Militärchef Abdel Fattah al-Sisi. Über Al-Sisis Herausforderer Hamdien Sabahi sagte Jussif in seiner Show, "bei einem spannenden Ringkampf muss auch immer noch jemand dabei sein, dessen Aufgabe es ist, verprügelt zu werden".

Nächste Ausstrahlung erst nach der Wahl

Das war dem Besitzer des Senders MBC Masr zu viel. Er verlängerte eine ursprünglich nur zweiwöchige Pause der Show um weitere vier Wochen. Das bedeutet, dass "Al-Barnameg" (deutsch: Das Programm) erst wieder am 30. Mai ausgestrahlt werden wird - drei Tage nach der Präsidentenwahl.

Dass die lange Sendepause das Ergebnis von politischer Einflussnahme ist, bezweifelt in Ägypten niemand. Schließlich gehört der MBC-Konzern Scheich Walid al-Ibrahim. Der Scheich hat verwandtschaftliche Beziehungen zur Herrscherfamilie von Saudi-Arabien. Und König Abdullah von Saudi-Arabien ist so zufrieden, dass die ägyptischen Militärs im Sommer 2013 den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi entmachtet haben, dass er Al-Sisi seither alle nur erdenkliche Unterstützung zukommen lässt.

Nicht der erste Zwangs-Stopp

Für den Herzchirurgen Bassem Jussif, der seine Karriere als Entertainer während der Proteste gegen Präsident Husni Mubarak 2011 mit einer Low-Budget-Show auf YouTube begonnen hatte, ist es nicht das erste Mal, dass seine Show wegen gewagter Kommentare vom Sender genommen wird. Im Sommer 2013, als Mursi gestürzt wurde, machte er - nicht ganz freiwillig - vier Monate lang Pause. Als er sich im Oktober 2013 dann mit einer neuen Folge zurückmeldete, in der er sich sowohl über die Islamisten lustig machte als auch über die Al-Sisi-Begeisterung der Ägypter, beendete sein damaliger Sender CBC den Vertrag mit der Produktionsfirma.

Eine neue Heimat fand Jussif im vergangenen Februar schließlich bei MBC Masr. Die Rechte für die Zweitausstrahlung der Show sicherte sich das arabische Programm der Deutschen Welle (DW). In Bonn ist man enttäuscht, dass die Show so lange ausfallen soll. "Die Produktionsfirma ist jetzt in einer schwierigen Lage", sagt DW-Sprecher Berthold Stevens.

Hoffnung auf die Deutsche Welle

In ägyptischen Blogger-Kreisen hofft man jetzt, dass die Deutsche Welle, falls MBC Masr die Show ganz absetzen sollte, die Produktion der Sendung übernehmen könnte, die jede Woche Millionen von Zuschauern erreicht. Dazu gibt es bislang allerdings noch keine konkreten Planungen.

Jussif, der vom US-Magazin "Time" 2013 zu den 100 einflussreichsten Personen weltweit gezählt wurde, hält sich mit öffentlichen Äußerungen zu dem Streit um seine Show im Moment noch zurück. Am 15. Mai findet die dritte Sitzung in einem der vielen Prozesse, die seit 2011 gegen ihn angestrengt wurden, statt. Der Kläger Rifai Nasrallah wirft Jussif vor, er verbreite "eine mediale Botschaft, die zur Zersetzung der Gesellschaft und ihrer Symbole führt". (APA, 25.4.2014)

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