Suche nach den Überresten des spanischen Nationaldichters

25. April 2014, 13:41
3 Postings

Angeblicher Ort der Beisetzung in Madrid wird mit Bodenradar und Infrarotkameras untersucht

Madrid - Am Montag wird die Stadt Madrid mit der Suche nach den Überresten des weltberühmten Schriftstellers Miguel de Cervantes (1547 - 1616) beginnen. Der Autor von "Don Quijote" wurde im Nonnenkloster "Las Trinitarias" im Zentrum der spanischen Hauptstadt begraben. Doch wo genau seine Überreste liegen, oder ob sie sich wirklich noch hier befinden, das weiß man nicht mehr.

"Das Kloster wurde bereits kurz nach Cervantes' Tod restauriert und unterlag im Laufe der Jahrhunderte mehrfach strukturellen Veränderungen", erklärte am Freitag der für das Suchprojekt verantwortliche Historiker Fernando de Prado. Ein weiteres Problem: Miguel de Cervantes starb arm, ohne finanzkräftige Verwandtschaft und nicht sonderlich bekannt, weshalb er über keine ansehnliche Grabstätte verfügte. "Aus solchen Gräbern wurde die Knochen oftmals bei Umbauarbeiten einfach entfernt und irgendwo anders gelagert", sagte Fernando de Prado.

Keine DNA-Vergleiche möglich

Mit einem geologischen Bodenradar und Infrarotkameras sollen nun zunächst die oberen Schichten des Kirchbodens, der Krypta, der Sakristei und eines angrenzenden Wohnhauses nach menschlichen Überresten durchsucht werden. Danach wird ein Team um den bekannten spanischen Anthropologen und Forensiker Francisco Etxeberria die Ausgrabungen und die Untersuchung der Grabfunde durchführen.

Da eine DNA-Analyse aufgrund weniger Nachfahren und aus Budgetgründen ausgeschlossen ist, werde man sich an den bekannten physischen Merkmale Cervantes orientieren. "Wir wissen, dass Cervantes 1571 aus der Schlacht von Lepanto mit zwei Schusswunden in der Brust und eine in der linken Hand zurückkehrte. Außerdem schrieb er selber, nur noch sechs Zähne im Mund zu haben. Das sind gute Voraussetzungen, um die Überreste zu identifizieren", erklärte Etxeberria.

Ob die Suche nach dem weltberühmten "Quijote"-Autoren erfolgreich wird, bleibt abzuwarten. Auch Etxeberria warnt, nicht allzu optimistisch zu sein: "Zudem hängt alles davon ab, in welchem Zustand wir menschliche Überreste finden. Handelt es sich um eine mumifizierte Leiche, um Knochenreste einer oder mehrerer Personen?" Vor 14 Jahren scheitere ein ähnliches Vorhaben, in der Nähe des Madrider Königspalastes, die Überreste des spanischen Malers Velazquez zu finden. Fast zwei Jahren suchten Experten auf einem Platz, auf dem sich einst eine Kirche mit den angeblichen Überresten des spanischen Hofmalers befunden haben soll. Velazquez war in der Krypta der Kirche beigesetzt worden, aber das Gotteshaus wurde 1809 abgerissen. Die Suche blieb erfolglos. (APA, derStandard.at, 25. 4. 2014)

  • Forensiker Francisco Etxeberria erklärt die Herausforderungen, die sich bei der möglichen Identifizierung von Miguel de Cervantes' Gebeinen stellen.
    foto: apa/epa

    Forensiker Francisco Etxeberria erklärt die Herausforderungen, die sich bei der möglichen Identifizierung von Miguel de Cervantes' Gebeinen stellen.

Share if you care.