Burgtheater: Jahresfehlbetrag über 20 Millionen Euro

25. April 2014, 17:00
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Interimsdirektorin Karin Bergmann erhöht Eintrittspreise und erwägt Kurzarbeit

Wien - Der Jahresfehlbetrag des Burgtheaters ist im Geschäftsjahr 2012/13 noch viel höher als bisher angenommen: Er macht 20,64 Millionen Euro aus. Aufgrund aufgelöster Kapitalrücklagen in der Höhe von einer Million beträgt der Bilanzverlust 19,64 Millionen.

Diese Zahlen gaben Karin Bergmann, die interimistische Direktorin, und Thomas Königstorfer, der kaufmännische Geschäftsführer, in einer Pressekonferenz am Freitag bekannt. Verantwortlich für das desaströse Ergebnis seien die beiden gefeuerten Vorgänger: Matthias Hartmann und seine Stellvertreterin Silvia Stantejsky. Das Burgtheater war am 31. August 2013, am Tag des Rechnungsabschlusses, "buchmäßig überschuldet", so Königstorfer. Eine Insolvenzgefahr hätte aber, versicherte er, nicht bestanden.

Das bisher kommunizierte Defizit erhöhte sich von 8,3 auf 8,6 Millionen Euro. Es besteht im Wesentlichen aus der geänderten Abschreibungs- und Aktivierungsmethodik (das Geld wurde bereits in den Jahren davor ausgegeben). Hinzu kommen Rückstellungen und Risikovorsorgen im Ausmaß von elf Millionen. In den letzten Monaten war man von fünf Millionen für mögliche Steuernachzahlungen aufgrund formaler Versäumnisse ausgegangen. Doch es könnte noch weitere Abgaben-Nachforderungen geben.

Dennoch haben die Wirtschaftsprüfer von der KPMG einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt. Dafür waren drei Gründe ausschlaggebend: Die Bundestheaterholding gab eine Patronanzerklärung (also eine Besicherung) in der Höhe von zehn Millionen Euro ab. Die Probebühne im Arsenal wurde um 7,5 Millionen Euro an Art for Art verkauft. 20 Jahre lang wird die Burg insgesamt acht Millionen Euro an Mieten und Kaution zu zahlen haben; danach kann sie die Bühne um drei Millionen zurückkaufen.

Und drittens wurde ein Katalog mit insgesamt 100 Einzelmaßnahmen ausgearbeitet, die in Summe das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2014/2015 um 4,2 Millionen Euro verbessern sollen. Durch die Senkung der Produktionskosten um 800.000 Euro sowie der Sach- und Personalkosten um je 1,4 Millionen könnten 3,6 Millionen Euro eingespart werden. Zusätzliche Sponsorengelder und eine Erhöhung der Kartenpreise sollen 600.000 Euro bringen. Die drittteuerste Kategorie zum Beispiel wird von 35 auf 41 Euro angehoben, bei Premieren sind 43 Euro, bei Sonderveranstaltungen sogar 52 Euro zu bezahlen. In den billigsten Kategorien gibt es hingegen (fast) keine Steigerungen.

Die Senkung der Produktionskosten ergibt sich durch eine Reduktion der Premieren und der Produktionsbudgets. Vor Kündigungen schreckt Bergmann, die ihr Programm am 3. Juni präsentieren wird, zurück. Sie möchte mit dem Ensemble über Gagenreduktionen bzw. befristete Kurzarbeit reden. Zudem will sie auf Gäste verzichten. Ob das Kasino als Spielstätte gehalten werden kann, steht noch nicht fest. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

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