Mord-Ermittlungen gegen mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Linz

25. April 2014, 12:24
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Es geht um ein Massaker an 16 serbischen Zivilisten im jugoslawischen Bürgerkrieg - Gebürtiger Bosnier ist seit vielen Jahren Österreicher

Linz/Sarajevo - Die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt gegen einen bosnischstämmigen Österreicher wegen 16-fachen Mordes. Es geht um ein Massaker im jugoslawischem Bürgerkrieg, das muslimische Streitkräfte an serbischen Zivilisten verübt haben sollen. Das berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) am Freitag unter Berufung auf den Sprecher der Anklagebehörde, Philip Christl.

Am 17. September 1992 starben bei der Attacke in der Region von Kotor Varos, das heute zur Republika Srpska (eine der Teilrepubliken) in Bosnien-Herzegowina gehört, 16 Menschen. Unter den Opfern waren auch zwei Kinder im Alter von vier und zwölf Jahren. Ein 46-jähriger gebürtiger Bosnier, der seit vielen Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und im Gerichtssprengel Linz lebt, wird verdächtigt an dem Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. "Es ist internationale Praxis, dass die eigenen Staatsbürger nicht an fremde Mächte ausgeliefert werden", erklärte der Linzer Völkerrechtler Franz Leidenmühler den OÖN. Daher läuft das Verfahren in Linz.

Bereits 2011 wurden Ermittlungen gegen den Mann eingeleitet. Damals kam er für einen Monat in U-Haft. Weil das Oberlandesgericht Linz aber keinen ausreichenden Tatverdacht sah, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Nun könnte sich die Situation geändert haben: Im Jänner wurden in Sarajevo vier mutmaßliche Komplizen des 46-Jährigen wegen des Massakers zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. "Wenn ein bosnisches Gericht bosnische Täter für Massaker an Serben verurteilt, ist das schon ein wesentlicher Indikator für die Schuldfrage", wird der Linzer Historiker Michael John, der sich als Gastprofessor in Ljubljana wissenschaftlich mit dem Thema Jugoslawienkrieg beschäftigt, zitiert. (APA, 25.4.2014)

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