Warum Digital Natives anders sind

6. Mai 2014, 12:33
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Die neue Welt der Arbeit drückt sich durch und in vielen Aspekten aus. Doch niemand versinnbildlicht diese neue Arbeitswelt so sehr wie die Digital Natives

Der Begriff "Digital Natives" - oder auch "Generation Y" genannt - bezeichnet jene Personen, die nach 1980 geboren wurden. Für diese Gruppe haben digitale Medien eine vollkommene Selbstverständlichkeit. Denn diese Gruppe ist mit Computer, MP3, Handy und Internet groß geworden. Ihre Angehörigen mussten sich das Wissen um die richtige Verwendung dieser Kommunikationsmittel nicht gezielt erwerben. Sie haben es - salopp gesagt - mit der Muttermilch eingesogen.

Soziale Medien wie Facebook und Twitter beherrschen sie perfekt, und sie wissen, dass man mit originellen Statusmeldungen und kreativen Tweets Aufmerksamkeit und sich damit Respekt erwirbt. Von Personalchefs gleichzeitig gefürchtet und geschätzt, tragen sie mehr als jeder andere die Grundsätze der neuen Arbeitswelt in Unternehmen hinein. Derzeit machen sie etwa 28 Prozent der österreichischen Bevölkerung aus. Bereits im Jahr 2018 allerdings werden sie auf 50 Prozent der Arbeitnehmer angewachsen sein. Jeder zweite Erwerbstätige gehört dann in diese Gruppe!

Selbstverwirklichung und Sinnstiftung

Ein Verschließen vor den Wünschen und Forderungen dieser Generation Y wird spätestens dann kaum mehr möglich sein. Personalberater Florens Eblinger (Eblinger & Partner) kennt sie gut: "Diese Generation ist selbstbewusst, hat klare Vorstellungen vom beruflichen Weg und will von den zukünftigen Arbeitgebern umworben werden."

Digital Natives streben, mehr als alle Generationen vor ihnen, nach Selbstverwirklichung und Sinnstiftung. Leistung ist ein Begriff, der nicht exklusiv für Arbeit eingesetzt wird, denn Digital Natives haben eine weitaus holistischere Sichtweise. Sie spannen den Begriff "Leistung" über ihr ganzes Leben - sei es privat oder beruflich. Kindererziehung, Betreuung der kranken Großmutter oder die Mitarbeit im Fußballverein - auch das sind für sie Leistungen, die ihnen außerdem Selbstverwirklichung ermöglichen und Sinn geben. Für sie gehört all das genauso zum Leben wie Erfolg, Karriere und Beförderungen. Für sie ist all das zu vereinbaren. Und mehr als das, sie verstehen nicht, warum es sich für ältere Generationen nicht so verhält.

Gehalt hingegen ist ein Hygienefaktor, der rein dafür sorgt, dass man nicht unzufrieden ist. Zufriedenheit aber erfährt man in Werten wie Glück, Sinn und Selbstverwirklichung. Deshalb wird genau dafür Zeit geschaffen. Dass das manchen Vorgesetzten oder Personalchefs ein Dorn im Auge ist, wird kaum verstanden, denn Kernarbeitszeiten und verpflichtende Anwesenheit ist für Digital Natives ein Anachronismus. Ein Zeichen dafür, dass man nicht für Leistung, sondern für Anwesenheit bezahlt wird, und ein Zeichen dafür, dass sich das restliche Leben, die Wünsche und persönlichen Bedürfnisse oftmals nicht mehr ausgehen.

Präsentismus hat ein Ende

Digital Natives arbeiten schnell, sie finden neue Lösungen und Herangehensweisen, und sie stürzen sich in das Abenteuer Job. Damit es für sie ein Abenteuer bleibt, muss es vor allem sinnhaft sein, Nutzen stiften, etwas bewegen. Dass man nur im Büro etwas bewegen kann, daran glauben sie nicht. Ganz im Gegenteil. Sie nutzen alle erdenklichen Kanäle, finden Mittel und Wege, um ihre Ziele zu erreichen, sie sind Teamplayer, wenn es erforderlich ist, und Einzelkämpfer, wenn es die Situation so will. Anpassungsbereit und flexibel, wenn es die Sache erfordert. Effizient, kreativ und hochmotiviert. Und damit eigentlich Mitarbeiter, die jedes Unternehmen sicher händeringend sucht.

"Wir sind überzeugt, mittels herausfordernder Projekte, inspirierender Kollegen sowie flexibler Arbeitszeitmodelle das richtige Paket anzubieten. Denn unsere extrem komplexe Industrie bedarf ständiger Innovation, und dafür brauchen wir die Generation Y", weiß Georg Schlotter, Human-Resources-Manager bei BP Europe & Africa von der Wichtigkeit der Digital Natives.

Weg von Anwesenheit, hin zu Leistung

Digital Natives bringen Veränderung, die von vielen als wenig leistungsorientiert angesehen wird. Sie wollen arbeiten, wann sie wollen und wo sie wollen, sich eigenartig zu fühlen, wenn sie um 16 Uhr das Büro verlassen, weil sie ihre Arbeit erledigt haben, käme ihnen nicht im Entferntesten in den Sinn. Doch solch ein Verhalten erfordert ein gehöriges Maß an Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, denn natürlich sind sie so weitaus schwerer durch Vorgesetzte zu kontrollieren. Und es erfordert ein Umdenken, das dann geschafft ist, wenn niemand mehr im Büro verstohlen auf die Uhr sieht und hämisch grinst, wenn ein Kollege oder eine Kollegin am frühen Nachmittag das Büro verlässt.

Weg von Anwesenheit, hin zu Leistung. Und dieses Umdenken wird passieren, dafür werden die Digital Natives schon sorgen. Ihr großer Trumpf im Ärmel, sollte ihnen ihren vorhandenen Leistungswillen und ihre Erfolgsorientierung niemand abkaufen, ist die demografische Entwicklung unserer Zeit. Noch sind sie ein vergleichsweise kleiner Anteil der arbeitenden Bevölkerung, was sich jedoch rasch ändern wird. Sie sind jedenfalls bereits jetzt die am besten ausgebildete und internationalste Generation, die jemals den Arbeitsmarkt betreten hat. Georg Schlotter: "Wichtig für eine erfolgreiche Integration der Generation Y ist allerdings auch, dass die Unternehmenswerte geteilt und als die eigenen angesehen werden." (Michael Bartz, Thomas Schmutzer, DER STANDARD, 26.4.2014)

 

Michael Bartz, Thomas Schmutzer: "New World of Work - Warum kein Stein auf dem anderen bleibt". 2014, Linde-Verlag und Verlag Handelsblatt/Wirtschaftswoche

  • Wenn Leistung zählt, ist Anwesenheit kein Thema: Das Selbstverständnis der Generation Y fordert viele Unternehmen.
    foto: www.istockphoto.com / maurusone

    Wenn Leistung zählt, ist Anwesenheit kein Thema: Das Selbstverständnis der Generation Y
    fordert viele Unternehmen.

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