Beinahe eine Open University

28. April 2014, 15:29
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Das wachsende Angebot der Open University sei für die Fernuniversität Hagen keine Konkurrenz, sondern eine Möglichkeit

Wer sich bilden möchte, braucht nicht erst seit dem Einsatz von MOOCs (Massive Open Online Courses) das Haus dafür nicht mehr zu verlassen. Seit vierzig Jahren bietet die Fernuniversität Hagen Studiengänge mit minimalen Präsenzzeiten an, seit zwanzig Jahren in Kooperation mit der Johannes-Kepler-Universität Linz. MOOCs werden, so Josef Reif, Leiter des Zentrums für Fernstudien Linz und Österreich, auch nicht als konkurrierende Angebote gesehen. "Auch an der Fernuniversität wurde im letzten Jahr mit MOOCs experimentiert, um zu schauen, welches Potenzial in diesen Angeboten steckt", sagt er. Diese neuen Lernmöglichkeiten seien zwar für punktuelle Weiterbildung eine praktische Ergänzung, aber ob damit ein ganzes Studium ersetzt werden könne, bezweifelt er.

Teilnehmer werden jünger

Von den insgesamt rund 80.000 Studierenden der Fernuniversität Hagen kommen 3000 aus Österreich. Interessant sei, so Reif, dass sich das Alter der Teilnehmer verjüngt. Zwar werde das Studienangebot hauptsächlich von Personen zwischen 25 und 40 Jahren mit Studienerfahrung gewählt, aber auch immer mehr Schulabgänger würden für ihr Erststudium die Angebote der Fernuniversität wählen und gleich nach der Matura mit einem berufsbegleitenden Bachelorstudium beginnen.

Für Reif mit ein Grund, um noch stärker auf die Zielgruppen zuzugehen. Und dazu gehören alle, die einen erhöhten Bedarf an Flexibilität haben, ergänzt er - etwa ein Spitzensportler, der während seiner aktiven Zeit auch einen Bildungsabschluss erwerben möchte, oder Personen mit körperlichen Einschränkungen. Aber auch jene, die Beruf, Familie und Studium unter einen Hut bringen möchten. Maturaabschluss ist für das Studium keine zwingende Voraussetzung. Immerhin rund zwölf Prozent der Studierenden würden ohne Matura, aber mit beruflicher Erfahrung ein Studium an der Fernuniversität beginnen. Je nach Studienrichtung müssen eventuell zusätzliche Kurse belegt werden.

Flexible gestalten

Ein hohes Maß an Eigenverantwortung sei bei der flexiblen Gestaltung des Studiums aber unbedingt erforderlich. "Denn jeder Studierende bestimmt selbst, wie schnell er vorankommen möchte", erklärt Reif. Begleitet werde daher der Studienanfang durch Angebote im Zeitmanagement und mit Study-Skills. Dennoch sei die Drop-out-Rate in der Anfangsphase hoch. Gut 50 Prozent würden nach den ersten beiden Semestern ihr Studium abbrechen. Aber der Kostenaufwand dafür sei überschaubar, so Reif.

Der Großteil (fast 90 Prozent) entscheidet sich für ein Bachelorstudium. Die Mindeststudienzeit beträgt sechs Semester. "Als berufsbegleitendes Studium dauert ein Bachelor in der Regel aber eher neun bis zehn Semester", ergänzt Reif. Das beliebteste Studienfach ist neben Wirtschaftswissenschaft seit seiner Einführung 2007 Psychologie. Zugangsbeschränkungen gibt es keine. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 26./27.4.2014)

  • Auch ein Fernstudium ermöglicht Lernen, wann und wo man will.
    foto: www.istockphoto.com/bobboz

    Auch ein Fernstudium ermöglicht Lernen, wann und wo man will.

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