Gefälschte Medikamente: Steirische Spitäler setzen Maßnahmen

25. April 2014, 11:39
posten

Falsifikate wurden bisher nicht gefunden, auf die Bestellung der fraglichen Präparate via Parallelimporteur wird vorerst verzichtet

In Sachen des Verdachts auf gefälschte High-Tech Krebs- und Rheumamittel - in Deutschland wurden solche Produkte gefunden - setzte die steirische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) am 24. April Maßnahmen. Falsifikate wurden bisher nicht gefunden, auf die Bestellung der fraglichen Präparate via Parallelimporteur wird vorerst verzichtet.

"Alle Daten der Patienten, die mit Medikamenten aus den betroffenen Chargen behandelt wurden, werden jetzt analysiert", sagte ein KAGes-Sprecher. Bis zur vollständigen Klärung der Sachlage werde man die in Frage kommenden Medikamente wie z.B. "Herceptin"/Trastuzimab nicht mehr über den Parallelimport-Vertriebsweg bestellen. Parallelimporteure bieten laut Hintergrundinformationen einen um zwei bis fünf Prozent geringeren Preis als die Originalhersteller.

31 verdächtige Lieferungen

Von der Affäre sind bei dem wichtigen Krebsmedikament "Herceptin" gemäß neuesten Angaben 31 "Batches" betroffen, die nach Großbritannien, Deutschland, Österreich, Schweden und Finnland gegangen waren und dort teilweise bei Parallelimporteuren als "verdächtig" registriert worden waren.

Beobachtet wurden zum Beispiel abweichende Chargennummern, abgelöste Verschlusskappen und sogar Flüssigkeit statt Pulver zum Auflösen für Infusionen als Inhalt. An sich müsste vor jeder Anwendung der Medikamente noch einmal eine penible Prüfung durch das Krankenhauspersonal erfolgen. Die "Herceptin"-Produkte sind offenbar von einem italienischen Großhändler an einen britischen Großhändler geliefert und von diesem dann an Parallelimporteure weiter verkauft worden. Gerade solche Lieferketten dürften eine Gefahr für die Sicherheit bedeuten.

Mögliche Beteiligung britischer Pharma-Großhändler

Die mögliche Beteiligung von britischen Pharma-Großhändlern könnte die Affäre noch heißer machen. David Shore, Global Security Director für den EU-Bereich des US-Pharmakonzerns Pfizer, vor dieser Funktion 20 Jahre bei Scotland Yard in London, erklärte im Sommer vergangenen Jahres bei einem Hintergrundgespräch in Wien zu der Gefahr, dass über Parallelimporte gefälschte Arzneimittel in die legale Lieferkette kommen können: "Das geschieht zum Beispiel über Parallelimporte (zum Ausnützen unterschiedlicher Arzneimittelpreise in verschiedenen Ländern; Anm.) oder über Ketten von Großhändlern. Wir haben einmal herausgefunden, dass ein Arzneimittel von uns durch 32 'Hände' ging, bis es beim Konsumenten ankam. In Großbritannien werden pro Jahr 1.500 Lizenzen für Arzneimittel-Großhandel ausgegeben. Ein solches schließlich ausgehobenes Unternehmen war eigentlich eine Fahrschule."

In Österreich sind die Bestimmungen bezüglich der Erteilung von Pharma-Großhandelslizenzen deutlich schärfer. Die internationale Pharmaindustrie bereitet sich derzeit mit Milliardenaufwand auf die bevorstehende Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen vor. Ende 2017/Anfang 2018 soll mit einer neuen Arzneimittelkennzeichnung in der EU, die die Serialisierung und Codierung jeder einzelnen Packung beinhaltet, noch mehr Sicherheit bezüglich der Kontrolle ihrer Herkunft von Medikamenten vom Produzenten bis in die Apotheken gegeben sein. (APA, 25.4.2014)

  • Über Parallelimporte können gefälschte Arzneimittel in die legale Lieferkette kommen.
    foto: apa/dpa-zentralbild/matthias hie

    Über Parallelimporte können gefälschte Arzneimittel in die legale Lieferkette kommen.

Share if you care.