Kryptodrakon: Ein Flugsaurier mit Martial-Arts-Bezügen

27. April 2014, 17:50
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Forscher halten die 163 Millionen Jahren alte Spezies für den ältesten Vertreter der Pterodactyloidea

Washington - Flugsaurier (Pterosauria) waren vor 228 Millionen Jahren die nach den Fluginsekten zweite Tiergruppe, die den Luftraum für sich eroberte. Sie gliederten sich in verschiedene Gruppen von langschwänzigen Flugsauriern und die sich später entwickelnde Gruppe der Kurzschwanzflugsaurier oder Pterodactyloidea.

Letztere brachten in der späten Kreidezeit die größten Tiere hervor, die jemals geflogen sind: Riesen wie Quetzalcoatlus mit einer Flügelspannweite von 12 Metern. Allerdings gab es auch Winzlinge wie Nemicolopterus, der kaum größer als ein Spatz wurde.

Neue alte Spezies

Die Anfänge dieser Gruppe lagen zwischen diesen Extremen, wie ein bereits 2001 im Nordwesten Chinas gefundenes Fossil zeigt. Die Spezies, die nun von einem internationalen Forscherteam in "Current Biology" beschrieben wurde, lebte vor 163 Millionen Jahren und hatte eine Flügelspannweite von etwa 1,3 Metern.

Die Forscher gaben ihr die Bezeichnung Kryptodrakon progenitor - "progenitor" (also "Stammvater") deshalb, weil es sich um die älteste bekannte Art handle, die eindeutige Pterodactyloidea-Züge trage. Der Namensbestandteil "drakon" ist übrigens kein allgemeiner Hinweis auf Drachen, sondern rührt daher, dass in der Nähe des Fundorts Szenen für Ang Lees Martial-Arts-Film "Tiger and Dragon" gedreht wurden.

Veränderte Umwelt

Laut Brian Andres von der University of South Florida weist Kryptodrakon auf einen entscheidenden Abschnitt in der Evolution der Flugsaurier hin. Die schmalen Flügel ihrer Ahnen begannen sich bei den frühen Pterodactyloidea zu verbreitern, weil sich ihre Umwelt veränderte. Schmale Flügel sind besser für ein Leben in Meeresregionen geeignet, breitere für das Fliegen über Land. Kryptodrakons Umgebung dürfte eine Aulandschaft gewesen sein, glauben die Forscher. (red/, derStandard.at, 27. 4. 2014)

  • Aus den gefundenen Knochenfragmenten konnten Forscher den Körperbau von Kryptodrakon progenitor recht genau rekonstruieren.
    foto: brian andres

    Aus den gefundenen Knochenfragmenten konnten Forscher den Körperbau von Kryptodrakon progenitor recht genau rekonstruieren.

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