"Bernie" Ecclestone sieht sich als erpresstes Opfer

24. April 2014, 17:31
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In München steht der Chef der Formel 1, Bernie Ecclestone, wegen des Vorwurfs der Bestechung vor Gericht. Er weist dies zurück

München - In einer Limousine mit abgedunkelten Fenstern lässt sich Bernard Charles Ecclestone an diesem Donnerstag zu einem Seiteneingang des Münchner Justizzentrums fahren. Währenddessen warten die Kameraleute vorne vergeblich auf den 83-jährigen Chef und Oberstrippenzieher des Rennzirkusses namens Formel 1.

München sei eine "schöne Stadt", hat er gesagt, doch der Anlass seines Aufenthalts ist weniger schön für ihn: Bernie Ecclestone ist der besonders schweren Bestechung angeklagt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat er den ehemaligen Bayern-LB-Banker Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen US-Dollar bestochen, damit dieser einen Käufer für die Bankanteile an der Rennserie durchsetzt, der Ecclestone genehm ist- den britischen Investor CVC . Es ging ihm in den Jahren 2005 und 2006 um "seine Macht und Kontrolle", so die Anklage, die zwei Staatsanwälte abwechselnd verlesen.

Doch danach spricht vor allem einer, beziehungsweise er lässt sprechen: Ecclestone hat mit seinen Anwälten eine umfassende Einlassung zu Papier gebracht, die die Verteidiger Sven Thomas und Thomas Scharf vortragen. "Dass die 44 Millionen geflossen sind, ist ja unbestreitbar", sagt Thomas am Rande der Verhandlung. Doch der Kern der Ecclestone'schen Verteidigung lautet: Er hat Gribkowsky nicht bestochen. Vielmehr wurde er von diesem damit erpresst, dass Ecclestone sein immenses Vermögen an seine Frau und die "Bambino"-Stiftung weitergeleitet hat, um Milliarden an Steuern zu sparen.

Bescheidene Verhältnisse

Wie schon vor zwei Jahren, als er als im Gribkowsky-Prozess als Zeuge gehört wurde, fragt Mr. Formel 1 erneut das Gericht, ob es im Deutschen ein Wort für das englische "blackmail" gibt. Die Übersetzung lautet "Erpressung". Genau das, so beharrt Ecclestone, sei ihm bei Gribkowsky widerfahren.

In der Erklärung holt Ecclestone weit aus und drückt auf die Tränendrüse: Der Vater sei ein armer Fischer gewesen, wegen des Zweiten Weltkrieges habe er keinen Schulabschluss. Dafür war Bernie schon von klein auf geschäftstüchtig. Mit elf Jahren trug er Zeitungen aus, kaufte für das Geld Brötchen und Kekse, die er dann wiederum gewinnbringend auf dem Schulhof weiterverkaufte.

Es folgt eine Lobeshymne auf sein Wirken: Anfang der 1980er-Jahre schuf er die Gelddruckmaschine Formel 1, bündelte gewinnbringend die Rechte für TV-Übertragungen und Werbung. Weil er 1996 bis 1999 herzkrank war, habe er sein Geld der Stiftung und damit seiner einstigen Frau Slavica vermacht. "Ansonsten hätte sie es versteuern müssen", lässt er durch den Anwalt sagen, "und zwar mehr als zwei Milliarden Pfund." Er selbst, so meint er, habe gar keinen Zugriff auf die Stiftung: "Das interessiert mich nicht, mir war nur die operative Arbeit in der Formel 1 wichtig."

Doch es brach die Macht der Bayern-LB über ihn herein, die über die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch ungewollt an die Formel-1-Mehrheitsanteile gekommen war. Ecclestone und Gribkowsky - das war offenbar der Kampf zweier Männer um die Macht mit allen Finessen, Drohungen, Schmeicheleien und schmutzigen Aktionen.

Der frustrierte Banker wollte aussteigen, wollte selbst groß ins Formel-1-Geschäft einsteigen, meint Ecclestone. Immer wieder habe er gesagt, dass er mit ihm zusammenarbeiten wollte, sie könnten Partner werden. Doch Bernie hatte nichts mit dem großspurigen Banker am Hut. "Ich brauchte weder seine Arbeit noch seinen Rat."

Dann habe Gribkowsky ständig "Anspielungen" auf den Bambino-Trust gemacht. Er habe durchblicken lassen, dass er Ecclestones Steuersparmodell bei den Behörden anzeigen könnte, dass in Wirklichkeit der Formel-1-Mann der Chef des Trusts sei. Dies hätte ihm "jederzeit große steuerliche Probleme" bereiten können, meint Ecclestone. Für ihn sei klar gewesen: "Gribkowsky wollte Geld."

Von einer möglichen Prozessabsprache - Geständnis gegen milde Strafe - ist in diesem Verfahren nichts zu sehen. Vielmehr geht Ecclestone in die Offensive, er will seine Sicht der Dinge durchsetzen. Am 9. Mai soll Gribkowsky aussagen. Er ist wegen Annahme der Millionen bereits zu achteinhalb Jahren verurteilt worden. (Patrick Guyton aus München, DER STANDARD, 25.4.2014)

  • Formel-1-Chef Bernie Ecclestone im Kreise seiner Verteidiger. Am ersten Tag seines Bestechungsprozesses vor dem Landgericht München beteuerte der 83-Jährige seine Unschuld.
    foto: reuters/michaela rehle

    Formel-1-Chef Bernie Ecclestone im Kreise seiner Verteidiger. Am ersten Tag seines Bestechungsprozesses vor dem Landgericht München beteuerte der 83-Jährige seine Unschuld.

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