Engagement der Grazer Bürger im Grätzel abgewürgt

24. April 2014, 17:53
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Annenstraßen-Flohmarkt, der wieder Teil des "Lendwirbel" sein sollte, abgesagt

Graz - Man möge bitte noch helfen, den Park gemeinsam aufzuräumen, hieß es letztes Jahr nachts im Volksgarten nach Konzerten im "Schlagergarten Gloria". Der Park war im Nu wieder picobello. Der Schlagergarten - der nur im Titel an herkömmliche Schlagerveranstaltungen erinnert - ist Teil des erfolgreichsten Grätzelfestes von Graz, des Lendwirbels. Und ein Lehrstück für kreative und konstruktive Bürgerbeteiligung.

Was 2007 mit einem Eröffnungsfest des neuen Standortes des Alternativfriseurs Haarschneiderei begann, ist mittlerweile zu einem einwöchigen soziokulturellen Fest mit Musik, Kunst und Kulinarik und einem riesigen Flohmarkt herangewachsen. Schon 2011 tummelten sich dort über 30.000 Menschen.

Braten der Gentrifizierung

Immer etwas chaotisch, mit Rieseninput von Anrainern und Geschäftsleuten, wurde der Lendwirbel zu einem Event, der die Bezirke Lend und Gries, in denen das vom Kunstverein Rotor erfundene Annenviertel liegt, kulturell und wirtschaftlich aufwertete. Heuer wirbelt man von 2. bis 11. Mai.

Wo erst Migranten, Studenten und Künstler unter sich waren, haben längst auch Immobilienmakler den Braten der Gentrifizierung gerochen und Kreative ihre Shops eröffnet. Doch ein erheblicher Teil des Festes soll heuer fehlen. Zum sechsten Mal sollte am 3. Mai auf der einen Kilometer langen Annenstraße ein Flohmarkt stattfinden, wo bisher begeistert getauscht und verkauft wurde.

Strafandrohungen statt Wertschätzung

Die Veranstalterinnen Maria Reiner und Gabi Medan sagten den Flohmarkt nach Gesprächen mit Straßenamt und Bezirksvorsteher verärgert ab. Sie wunderten sich, warum man sich "derartig herablassend behandeln lassen müsse". Statt Wertschätzung für ihre Arbeit bekamen sie Strafandrohungen, so die Frauen.

Da das Straßenamt in der Verantwortung der FPÖ liegt, vermutet Grünen-Stadträtin Lisa Rücker dort die Akteure, die "bieder und angepasst das großartige Potenzial von Graz" zerstörten. Auch KPÖ-Kultursprecherin Christine Braunersreuther kritisiert das "Ausbremsen von Grätzelinitiativen". Die zuständigen Bezirksreferenten waren für den Standard nicht erreichbar. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 25.4.2014)

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