Gewächshaus-Satellit soll Tomatenzucht ins All bringen

24. April 2014, 17:12
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Deutsche Forscher: "Wir wollen sehen, ob man Pflanzen in kompakten Anlagen auch für das Luft-, Wasser- und Urinrecycling sinnvoll einsetzen kann"

Erlangen - Deutsche Forscher wollen herausfinden, ob Tomaten auch im Weltall und ohne menschliche Pflege gedeihen können. Voraussichtlich im Frühjahr 2016 wollen Wissenschafter der Universität Erlangen-Nürnberg und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen Satelliten mit zwei kleinen Gewächshäusern und einer eigens dafür gezüchteten Tomatensorte in die Erdumlaufbahn schießen.

Ein Jahr lang sollen die Pflanzen im Weltall wachsen und werden dabei von 32 Kameras überwacht. Das Projekt beläuft sich auf Kosten im zweistelligen Millionenbereich. "Die Experimente werden wichtige Ergebnisse liefern, um ein Überleben der Menschheit in lebensfeindlichen Räumen zu ermöglichen", teilte der wissenschaftliche Leiter der Mission, DLR-Forscher Jens Hauslage, mit. 

Kleine Kreisläufe

Weil Pflanzen nicht ganz ohne Schwerkraft wachsen könnten, soll diese durch Rotation des Satelliten simuliert werden. Mit an Bord werden zudem ein Wassertank und ein Behälter mit einer einzelligen Alge sein. Dieser ist eine Rolle im Nährstoffrecycling zugedacht: Die Algen bauen das Ammoniak des Urins ab, der Teil des Pflanzendüngers ist. Übrig bleiben Nitrate als wichtige Nährstoffe für die Pflanzen.

Zum Einsatz soll künstlich hergestellter Urin kommen - doch erhofft man sich davon Erkenntnisse, die nicht nur etwaigen bemannten Weltraummissionen der Zukunft zugute kommen könnten: "Wir wollen sehen, ob man Pflanzen in kompakten Anlagen auch für das Luft-, Wasser- und Urinrecycling sinnvoll einsetzen kann", erklärte Sebastian Strauch von der Uni Erlangen-Nürnberg. So könnten sie bei der Säuberung des Abwassers in großen Städten oder auf Kreuzfahrtschiffen helfen. (APA/red, derStandard.at, 24. 4. 2014)

 

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