Erbgut der Tsetsefliege entschlüsselt

28. April 2014, 11:43
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Internationales Forscherteam identifiziert etwa 12.000 Gene - Anwendungen im Kampf gegen Schlafkrankheit erhofft

Washington - Tsetsefliegen (Glossina morsitans morsitans) sind afrikanische Stechfliegen, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Sie übertragen dabei Trypanosomen, einzellige Parasiten, die bei Menschen in Subsahara-Afrika die Schlafkrankheit und bei Tieren die Nagana-Seuche verursachen. Tausende Menschen erkranken jedes Jahr neu an der Schlafkrankheit - die nun in "Science" vorgestellte Entschlüsselung des Tsetsefliegen-Erbguts könnte daher letztlich neue Ansätze zur Bekämpfung der Krankheit liefern.

Tsetsefliegen sind lebend gebärend und füttern ihre im Rumpf heranwachsenden Larven mit einem Sekret aus einer Art "Milchdrüsen". Dieses Nährsekret ähnelt verblüffend der Muttermilch von Säugetieren, heißt es in der Studie. Auf die zwölf für die Produktion dieses Sekrets nötigen Gene entfalle in dieser Zeit mehr als die Hälfte der gesamten Genaktivität, schreiben die Forscher.

Mammutprojekt

Mehr als 140 Wissenschafter aus 18 Ländern waren fast zehn Jahre damit beschäftigt, das Genom der Tsetsefliege  zu entschlüsseln. Von der DNA-Sequenz können Forscher auf etliche Eigenschaften der Insekten schließen - etwa ihren Stoffwechsel, ihr Immunsystem und ihre Sinneswahrnehmungen. Insgesamt wurden etwa 12.000 Gene gefunden. Die Erbgutanalyse zeigte auch, dass Augen und Sehsystem von Tsetsefliegen - die ihre Opfer an Geruch und Aussehen erkennen - denen von Stubenfliegen ähneln. Interessant als möglicher Ansatzpunkt seien die Gene für die Proteine im Speichel, mit denen die Fliegen bei ihren Opfern die Blutgerinnung hemmen.

Bisher sei es schwierig, direkt gegen den Erreger vorzugehen, heißt es in "Science". Es gibt keine Schutzimpfung, zugelassene Medikamente haben schwere Nebenwirkungen. Außerdem gebe es immer mehr Berichte über Erregerstämme, die gegen Medikamente resistent geworden sind. Deshalb wäre es von großem Vorteil, bereits die Verbreitung der Schlafkrankheit zu verhindern.

Vorerst keine direkten Anwendungen zu erwarten

Die neuen Ergebnisse brächten zunächst keine direkten Fortschritte im Kampf gegen die Schlafkrankheit, sagte Prof. Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. "Das Genom zu entschlüsseln ist Grundlagenforschung." Zwar sei es theoretisch denkbar, dass mit den neuen Erkenntnissen verbesserte Insektizide entwickelt werden könnten. Doch müssten die Gifte auf riesigen Flächen ausgebracht werden. "Das ist logistisch überhaupt nicht machbar."

Ein zweiter Ansatz könnte laut Meyer sein, gentechnisch veränderte Tsetsefliegen zu züchten, die sich nicht fortpflanzen können oder den Erreger der Schlafkrankheit schlechter übertragen. Allerdings müssten sich diese veränderten Insekten gegen ihre natürlichen Artgenossen durchsetzen und sie verdrängen. "Die haben aber eher einen Nachteil", sagte Meyer. Das zeigten Erfahrungen mit anderen gentechnisch veränderten Insekten. (red/APA, derStandard.at, 28. 4. 2014)


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