Mit Funzellicht statt Scheinwerfern

24. April 2014, 17:18
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Das österreichische Loose Collective zeigt noch bis Samstag sein jüngstes Stück The Game Game

Sport ist ein Spiel, in dem oft mit maximaler Anstrengung um den optimalen Stillstand gekämpft wird. Läufer rennen, um sich am Ende auf ein Podest stellen zu können, Mannschaften wetteifern um einen Punkte-Stand. Geklettert wird, um dann auf einem Gipfel zu stehen. Dieses nicht selten absurd anmutende Spiel hat sich das österreichische Loose Collective zum Thema für sein jüngstes Stück The Game Game gemacht, das noch bis Samstag im Tanzquartier Wien zu sehen ist: Fünf junge Leute in exaltierter Freizeitkleidung versuchen die Hintergründe für das populäre Streben nach Höchstständen auszuleuchten. Dabei wird das Sport-Spektakel keck mit künstlerischen Aufführungen zusammengelesen. Denn bei Letzteren geht es ja gewöhnlich auch um Großleistungen. Die drei Männer und zwei Frauen im Stück spielen erst schier endlos mit Mikrofonständern, unterstützen einander bei Weitsprüngen, laufen im Kreis, sprechen hin und wieder sehr nachdenkliche Sätze. Sie stellen sich ab und zu vor eine Kamera und betrachten die projizierten Bilder von ihren Körpern auf einer Leinwand. Einmal singen sie a cappella und hüpfen in einem mit Wattestreifen begrenzten Spielfeld umher, über das ein Flitzer aus dem Publikum läuft. Ein Gag. Das Publikum lacht ein wenig.

Zäh zieht pathetische Musik - von Guenther Berger und Stephan Sperlich - durch den Raum. Ein Verweis, denn aus dem realen Spiel um Sieg und Niederlage werden medienwirksam große Gefühle gewonnen. Das gehört zur Inszenierung des Sports, die das Loose Collective (Marta Navaridas, Alex Deutinger, Anna Maria Nowak und Alexander Gottfarb) mit steifer Ironie aufmischt. Und wie schon in der vorangegangenen Arbeit, The Old Testament According To The Loose Collective, durchbricht wieder nur der begnadete Gastperformer Thomas Kasebacher die Verspanntheit. Leider wird in The Game Game kein Risiko eingegangen. Abermals tanzt das Kollektiv beharrlich auf ästhetisch gesichertem Terrain. Dort geschieht das Ausleuchten der Perversionen hinter den Maschinerien von Sport und Kunst mit allzu schwacher Lampe, sodass der kritische Aspekt verdämmert. Gegen diesen Stillstand helfen selbst der kurze Auftritt eines den typischen Rock-Hero persiflierenden Klampfenquälers und eine satte Choreinlage nicht. Noch zwei Gags. Höflicher Applaus. (ploe, DER STANDARD, 25.4.2014) 

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