ORF: Kritiker sehen Unvereinbarkeiten bei Neo-Stiftungsrat Fechter

24. April 2014, 14:44
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VP-naher Stiftungsrat seit 40 Jahren in Geschäftsbeziehung mit ORF - Bornemann: "Neuerlicher Fall von Unvereinbarkeit"

Wien - Der neue ORF-Stiftungsrat hat sich noch nicht einmal konstituiert, da gibt es bereits erste Kritik an Stiftungsräten. Beim ORF-Redakteursrat herrscht Unmut über die Bestellung des Eventmanagers und Künstleragenten Herbert Fechter, der auf einem schwarzen Regierungsticket ins oberste ORF-Gremium einzieht. Die ORF-Journalisten orten Unvereinbarkeiten, da Fechters Agentur Geschäfte mit dem ORF macht.

Wie berichtet vermittelt und vertritt Fechter Management etwa "Große Chance"-Jurorin Karina Sarkissova, den früheren "Dancing Star"-Juror Harald Serafin, "Große Chance"-Diabolist Valerian Kapeller sowie eine Reihe weiterer Promi-Künstler. Beim ORF soll Fechter, dem beste Verbindungen zu ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm nachgesagt werden, in der Vergangenheit auch entsprechende Besetzungswünsche geäußert haben. Mit dem öffentlich-rechtlichen Sender gab und gibt es zahlreiche geschäftliche Verbindungen. "Seit 40 Jahren produzieren wir im Auftrag verschiedener Sender wie ORF, 3sat, ZDF, ARD, Tele 5 und internationalen Sendern, TV- und Showproduktionen verschiedenster Art", heißt es etwa auf der Homepage von Fechter Management.

"Zahl der unabhängigen Stiftungsräte reduziert"

"Ein neuerlicher Fall von Unvereinbarkeit, dass Leute, die in einem geschäftlichen Kontakt mit dem ORF sind, in den Aufsichtsrat einziehen", kritisierte deshalb ORF-Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann im "Kurier" die Bestellung Fechters. Die Regierung habe vor zwei Jahren eine Reform der ORF-Gremien versprochen, letztlich aber keines ihrer Versprechen umgesetzt. "Das Einzige, was passiert ist, ist dass die Regierung die Zahl der unabhängigen Stiftungsräte von bisher vier auf drei reduziert hat", so Bornemann.

Fechter selbst will Unvereinbarkeiten in seiner Funktion als ORF-Stiftungsrat vermeiden und künftig nicht mehr selbst mit dem Sender verhandeln, wie er gegenüber "Kurier" und "Standard" erklärte. Die Geschäftsführung der Fechter Management werde er demnach an seine Frau abgeben. Ein ÖVP-Parteibuch habe er nicht, er sei aber von der ÖVP-Parteizentrale und vom dortigen ÖVP-Generalsekretär kontaktiert worden, so Fechter im "Kurier" weiter. "Herr Blümel hat mich vorgeschlagen."

Überprüft von ORF-Rechtsabteilung

Geschäfte von ORF-Stiftungsräten mit dem ORF müssen laut Corporate Governance-Kodex des Unternehmens ab einer Höhe von 5.000 Euro jährlich vom obersten Aufsichtsgremium des Senders genehmigt werden. Laut Fechter habe die ORF-Rechtsabteilung die Geschäftsverbindungen zwischen Fechter und ORF geprüft. Diese entsprächen demnach Gesetz und Governance, so der Neo-Stiftungsrat gegenüber dem STANDARD.

Für Diskussionsstoff sorgen aber auch ORF-Aktivitäten anderer Stiftungsräte. Der dem SPÖ-"Freundeskreis" angehörende Mediziner Siegfried Meryn tritt etwa immer wieder im ORF-Fernsehen auf, die neu auf einem roten Regierungssitz ins Gremium bestellte MedUni Wien-Vizerektorin Karin Gutierrez-Lobos moderiert regelmäßig den Radiodoktor auf Ö1. Gutierrez-Lobos Honorar liege laut ORF aber unter 5.000 Euro im Jahr, ihr Einsatz sei deshalb laut ORF-Management kein Problem und bedürfe keiner Genehmigung. (APA, 24.4.2014)

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