Realisierung von Deserteursdenkmälern verzögert sich

24. April 2014, 18:29
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In Goldegg diskutiert man noch über den Ort, in Bregenz fehlt es an Geld

Salzburg/Bregenz - Zum 70. Jahrestag der Jagd nach Deserteuren durch eine SS-Todesschwadron in der Salzburger Gemeinde Goldegg, in deren Zuge der Wehrmachtsdeserteur Karl Rupitsch und 13 weitere Männer ermordet wurden, hätte sich seine Tochter Brigitte Höfert einen Gedenkstein erhofft. Die Gemeinderatssitzung am Mittwochabend ergab aber weder einen konkreten Ort noch einen Zeitpunkt, an dem das aus Privatmitteln finanzierte Denkmal verlegt werden kann.

Wie DER STANDARD berichtete, diskutierte man zuletzt über den Ort des Gedenksteins. Brigitte Höfert möchte diesen im Hof des Schlosses Goldegg verlegt sehen. Der Goldegger Bürgermeister Johann Fleißner (ÖVP) hält davon wenig. Ihm fehle der historische Bezug zum Schloss. Er möchte den Stein lieber "am Ort des tragischen Geschehens beim Böndlsee" haben. "Am liebsten wäre es ihnen versteckt", kritisiert Höfert, "eine Bodenplatte am See ist in einem halben Jahr überwachsen."

Keine Verlegung zum Jahrestag

Die Entscheidung über den Standort blieb in der Gemeinderatssitzung aus. Es sei festgelegt worden, dass "der Kulturverein als Betreiber des Objekts die nötige Aufklärungs- und Meinungsbildungsarbeit in der Bevölkerung leistet", erklärt der Goldegger Bürgermeister. 

Für den Obmann des Kulturvereins, den grünen Landtagsklubobmann Cyriak Schwaighofer, ist der Aufklärungsprozess in der Bevölkerung genauso wichtig wie das Denkmal an sich. Denn: "Es gibt in Goldegg noch immer eine weitverbreitete Sichtweise zu diesen Ereignissen, die einfach historisch nicht mehr haltbar ist."

An eine Verlegung bis zum Jahrestag am 2. Juli glaubt Bürgermeister Fleißner nicht mehr. Das Projekt sei zu spät gestartet. Brigitte Höfert sieht das anders: "Das ist eine Verschleppungstaktik bis zum Gehtnichtmehr." Seit rund einem Jahr sei man mit dem Kulturverein in Gesprächen. Und für die Gravur brauche der Künstler Anton Thuswaldner nur einen Monat Vorlaufzeit. Auf einer 2,5 mal 1,5 Meter großen Steinplatte sollen unter dem Motto "Menschen leben in der Erinnerung weiter" die Namen der 14 Ermordeten verewigt werden.

Bregenz sucht Geld für Denkmal

"Ein bisschen verzögern" wird sich die Realisierung eines Deserteursdenkmals in Bregenz, sagt Kulturstadträtin Judith Reichart (ÖVP). Der Grund: Es fehlen noch 30.000 Euro. Bevor die künstlerische Arbeit ausgeschrieben wird, soll das Budget stehen. 60.000 Euro tragen Stadt und Land bei, 30.000 sammeln die Verantwortlichen der Vorarlberger Landeshauptstadt noch bei Nachbargemeinden und Privaten.

90.000 Euro brauche man unbedingt, rechnet Reichart, "sonst kommt da nichts Gescheites heraus". Hat man das Geld, wird die Expertenkommission die Ausschreibung formulieren. Statt einen Platz und das Medium festzulegen, wolle man das Konzept offen lassen. Judith Reichart: "Vielleicht gibt es gar keinen fixen Platz, gar keine Skulptur. Wir überlassen das der Kunst."

Experten in Habtachtstellung

Kritik an der Dauer der Überlegungen äußerte am Mittwochabend der Historiker Werner Bundschuh, selbst Mitglieder der Expertenkommission. Bei einer Diskussion zu Stefan Ruzowitzkys Film "Das radikal Böse" zeigte sich Bundschuh verärgert, dass in Bregenz in Sachen Deserteursdenkmal nichts weitergehe. Die Kommission habe erst ein einziges Mal getagt, sagt Bundschuh, "und zwar zur Konstituierung".

Die Kommissionsmitglieder seien über den jüngsten Stand der Dinge informiert worden, sagt Reichart. "Haben wir das Geld, stehen die habt acht." Im Ranking der Denkmalerrichtungen liege man österreichweit zeitlich sehr gut, ist die Kulturstadträtin überzeugt. (Jutta Berger, Stefanie Ruep, derStandard.at, 24.4.2014)

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