Keine Tomaten im urbanen Gartenlabor

25. April 2014, 08:58
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Am Donnerstag startete "Karls Garten", ein Urban-Gardening-Projekt im Zentrum Wiens

Wien - Hölzerne Hochbeete, Insekten- und Bienenhotels und begrünte Palettenmöbel prägen seit Donnerstag das Bild rund um die Kunsthalle in Wien. Auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern startet das Projekt "Karls Garten". Das Areal mitten im Stadtzentrum soll damit nicht nur aufgewertet werden, sondern auch der Forschung dienen. Wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität für Bodenkultur (Boku) wollen herausfinden, welche Anbaumethoden und Pflanzenarten sich für einen solchen exponierten, zentralen Standort eignen und wie Lebensmittelproduktion innerhalb einer Großstadt möglich gemacht werden kann.

Hecken rund um das Areal würden Grob- und Feinstaub abhalten, trotzdem wolle man einmal untersuchen, ob die Pflanzen ohne gesundheitliche Bedenken verzehrt werden können, sagt Vera Enzi vom Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau der Boku. In Österreich gebe es bisher nur wenige Erkenntnisse über Urban Farming in verkehrsreichen Stadtlagen.

Tomaten habe man deshalb bewusst nicht eingesetzt, sondern Pflanzen ausgesucht, die nicht zum spontanen Pflücken und Verspeisen einladen. Grund dafür sei aber auch, dass die Pflanzen in erster Linie für die wissenschaftlichen Analysen benötigt werden. Die Früchte der umliegenden Beerensträucher könne man aber trotzdem roh verzehren. "Mit Wasser abwaschen sollte im Normalfall reichen", sagt Enzi.

Öffentlicher Schaugarten

Das urbane Gartenprojekt soll nicht nur Labor sein, sondern auch zum Verweilen, Schauen und Lernen einladen. Als "Schau- und Forschungsgarten" bezeichnen die Verantwortlichen das Konzept. Das sind Raumplaner und Gärtner des gemeinnützigen Vereins "Karls Garten" zur Förderung der Landwirtschaft in Wien. Die Fläche wurde von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt, ist rund um die Uhr öffentlich zugänglich und bietet begrünte Sitzgelegenheiten. Künftig sollen auch Workshops, Führungen und Veranstaltungen, vor allem für Kindergärten und Schulen, angeboten werden. Finanziert wird der urbane Garten durch Sponsoren und private Beiträge.

Mehr als 50 Getreide-, Obst- und Gemüsesorten werden biologisch angebaut, darunter Rhabarber, Salate und Kohl. Heuer habe man hauptsächlich gängige Sorten gewählt, die nächsten Jahre wolle man vermehrt auch Raritäten pflanzen, sagen die Projektleiter. Mindestens fünf Jahre soll "Karls Garten" bestehen bleiben. Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit der MA 42, den Wiener Stadtgärten, getroffen. Die Verantwortlichen hoffen auf eine Vorbildwirkung: "Grün in der Stadt wird immer mehr zum Thema", sagt Enzi. Durch die zentrale Lage sei das Projekt sehr kommunikativ.

Interessierte haben übrigens am kommenden Samstag die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen. Beim "Setzfest" ab 13 Uhr können alle, die Lust haben, unter fachkundiger Anleitung Setzlinge in die Beete pflanzen. (Christa Minkin, derStandard.at, 25.4.2014)

  • "Karls Garten" erstreckt sich über 2.000 Quadratmeter. Holzpalettenmöbel sollen zum Verweilen einladen.
    foto: felipe kolm

    "Karls Garten" erstreckt sich über 2.000 Quadratmeter. Holzpalettenmöbel sollen zum Verweilen einladen.

  • Mehr als 50 verschiedene Obst-, Gemüse- und Getreidesorten werden gepflanzt.
    foto: felipe kolm

    Mehr als 50 verschiedene Obst-, Gemüse- und Getreidesorten werden gepflanzt.

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