Jugendliche missbrauchten Mithäftling: Urteile rechtskräftig

24. April 2014, 13:01
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Zweieinhalb Jahre für 18-Jährigen - Ein Jahr Zusatzstrafe für "Wasserwald-Vergewaltiger" - Oberlandesgericht Linz: "Eine Art Mitschuld der Justizanstalt können wir nicht nachvollziehen"

Linz - Die Strafen für zwei Jugendliche, die im März 2013 einen Mitgefangenen in der Zelle vergewaltigt haben, sind rechtskräftig. Einer, der bereits wegen Sexualdelikten an drei Frauen vier Jahre ausgefasst hat, bekam eine Zusatzstrafe von einem Jahr. Der andere muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht Linz gab am Donnerstag den Berufungen von Anklage und Verteidigung keine Folge.

Die beiden Burschen im Alter von 17 und 18 Jahren haben am 19. März des Vorjahres einen Mithäftling in der Justizanstalt Linz zum Oralverkehr gezwungen und waren am 22. Oktober 2013 deshalb schuldig gesprochen worden. Mit Schlägen auf den Kopf und den Oberkörper sowie mit der Drohung, ihn ansonsten mit einem Besenstiel zu vergewaltigen, machten sie ihr Opfer gefügig. Der Ältere war geständig, der Jüngere will nur die Körperverletzung begangen haben.

Therapie und Lehre

Der Fall des 17-Jährigen erregte besonders viel Aufsehen: Er war zuvor bereits zu einer vierjährigen Haftstrafe und der Einweisung in eine Anstalt verurteilt worden, weil er als 15-Jähriger im Linzer Naherholungsgebiet Wasserwald versuchte, zwei Mädchen im Alter von 13 und 16 Jahren zu vergewaltigen, sowie eine 67-Jährige tatsächlich missbrauchte. Zwei Tage vor dem Prozess kam es dann zu dem neuerlichen Vorfall mit dem Zellengenossen. Derzeit macht er in der Justizanstalt Gerasdorf eine Therapie und eine Tischlerlehre.

Der Verteidiger des Jugendlichen kritisierte erneut, man hätte seinen Mandanten nicht mit anderen in eine Zelle sperren dürfen, denn es sei damals schon bekannt gewesen, dass er gefährlich sei. Das Oberlandesgericht wies das zurück: "Eine Art Mitschuld der Justizanstalt können wir nicht nachvollziehen", so die Vorsitzende des Richtersenats. Es sei zwar ein Gutachten vorgelegen, darin sei aber lediglich von einem Gefährdungspotenzial gegenüber Frauen die Rede gewesen.

Angemessene Urteile

Der zweite Angeklagte beteuerte, er wolle sich psychotherapeutisch behandeln lassen und ebenfalls eine Ausbildung machen. Aktuell sitzt er allerdings wieder in U-Haft. "Angesichts seines Alters ist es erstaunlich, wie oft er es schon geschafft hat in Haft zu sein", so der Oberstaatsanwalt. Seit 2010 sei er durchgehend mit der Justiz beschäftigt gewesen. "Das sieht man nicht alle Tage." Das Oberlandesgericht sah darin aber keinen weiteren Erschwerungsgrund.

Das Berufungsgericht erachtete die Urteile in erster Instanz als angemessen. Sie sind somit rechtskräftig, ebenso die Zahlung von Teilschmerzensgeld an das Opfer und der Widerruf von Bewährungsstrafen des älteren Angeklagten. "Und Sie schauen beide, dass sie aus der Haft was machen", gab die Richterin den Jugendlichen noch mit auf den Weg. (APA, 24.4.2014)

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