Experten: Frauen mit Risikoschwangerschaften intensiver betreuen

24. April 2014, 12:02
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Weil Frauen immer später Mütter werden, dadurch auch häufiger an Begleiterkrankungen leiden, sei ein Ausbau von Risikoschwangerschafts-Zentren nötig, so Experten

Auch in Österreich werden die Frauen immer später Mütter. Das Durchschnittsalter für die erste Schwangerschaft beträgt bereits 29 Jahre. Das steigende Alter der werdenden Mütter bedeutet mehr Risikoschwangerschaften. Bei mittlerem und hohem Risiko müssen diese Frauen in einem Zentrum betreut werden, betonen Experten anlässlich eines Symposiums in Wien.

Mehr Begleiterkrankungen

"Frauen, die schwanger werden, weisen heute schon aufgrund ihres Alters mehr internistische Begleiterkrankungen auf. Diese Begleiterkrankungen sind außerhalb der Schwangerschaft oft gut unter Kontrolle, werden aber in der Schwangerschaft zu einer Herausforderung", sagte Peter Husslein, Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien im AKH.

Auch bei schweren Grunderkrankungen, wie zum Beispiel chronischem Lungenhochdruck, Kardiomyopathie (Herzmuskelschäden), der Situation nach Organtransplantationen, kindlichen Herzoperationen oder gar Krebs, sei der Kinderwunsch der betroffenen Frauen oft so stark, dass sie auf ein Kind nicht verzichten wollten.

Diese Schwangeren müssen eigentlich unbedingt an einem spezialisierten Zentrum mit der Möglichkeit intensivmedizinischer Betreuung, OP-Kapazitäten und Anästhesie-Diensten rund um die Uhr betreut werden. Hier sei es zu einem Umbruch in der Geburtshilfe gekommen, betonte Husslein. Während man früher viele Untersuchungen auf die Zeit vor der Entbindung konzentrierte, setze man jetzt auf eine möglichst intensive Abklärung etwaiger Risiken im ersten Schwangerschaftsdrittel.

Spezialisten nötig

Damit könnte man an Anfang an eine optimale Betreuung mit Zuweisung an eine spezialisierte Abteilung sicherstellen. Das führe auch dazu, dass an Schwerpunktkliniken eben überdurchschnittlich mehr Risikoschwangerschaften betreut werden, für Frauen mit einem niedrigen Risiko aber andere geburtshilfliche Abteilungen zuständig sein sollten.

Das habe sich in Österreich schon einigermaßen herumgesprochen, meinte Husslein. Ein Beispiel: An der Wiener Universitäts-Frauenklinik gab es 2013 exakt 2.743 Geburten. Dort werden aus dem Einzugsbereich des größten Krankenhauses Österreichs 85 Prozent der Frühgeburten mit einem Gewicht von weniger als 1.500 Gramm versorgt. Fast 50 Prozent machen Schwangerschaften mit mittleren und hohem Risiko aus.

Klaus Markstaller, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Anästhesie und Intensivmedizin im Wiener AKH (MedUni Wien), betonte die Notwendigkeit der Verfügbarkeit aller für solche Fälle notwendigen Spezialisten und technischen Einrichtungen rund um die Uhr: Intensivbetten, Herzchirurgie, Herz-Lungen-Maschine, Techniker, spezialisierte Anästhesisten, Geburtshelfer und spezialisierte Kinderärzte. 

Schwerpunktbildung vorantreiben

Ein Defizit, das in Österreichs Spitälern mit Geburtshilfeabteilungen nicht nur Risikoschwangere betrifft: Nur 22 Prozent haben einen rund um die Uhr verfügbaren Anästhesisten mit spezieller Ausbildung zur Gewährleistung der Epidural-Narkose via Rückenmark, zum Beispiel für einen möglichst risikolosen Kaiserschnitt. "Das ist total inakzeptabel", so Husslein.  Am Wiener AKH gibt es beispielsweise einen solchen 24-Stunden-Dienst durch einen Anästhesisten ausschließlich für die Geburtshilfe.

Die österreichische Gesundheitspolitik hätte laut den Fachleuten allen Grund, die Schwerpunktbildung bei den Krankenhäusern voranzutreiben. So meinte Husslein: "Die Versorgung in kleinen Spitälern ist in vielen Situationen nicht so, wie es der Stand der Medizin ist." Das gelte auch für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ein Zentrum für Risikoschwangerschaften befindet sich auch am Linzer AKH für Oberösterreich. Jens Meier, Leiter der Anästhesieabteilung an der Klinik, nannte entsprechende Zahlen: "Von rund 3.000 Geburten am Linzer AKH sind etwa ein Drittel Risikogeburten." (APA, derStandard.at, 24.4.2014)

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