Ecclestone beteuert seine Unschuld

24. April 2014, 15:22
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"Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint", mit diesen Worten betrat Bernie Ecclestone den Gerichtssaal in München

München - Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat sich zu Beginn des Korruptionsprozesses gegen ihn optimistisch gezeigt. "Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint", sagte der 83-Jährige am Donnerstag vor Fernsehkameras beim Betreten des Gerichtssaals. Zum Auftakt des Münchner Prozesses hat Ecclestone einen forschen Verteidigungskurs eingelegt: Den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky, den er mit 44 Millionen Dollar bestochen haben soll, bezichtigte er der Lüge.

Ecclestone widersprach in einer von seinen Verteidigern verlesenen umfangreichen Erklärung allen Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Der Formel-1-Geschäftsführer selbst hatte sich zuvor nur zu seiner Person geäußert. Seine Anwälte betonten, es habe keine Bestechung des Bankers Gribkowsky gegeben. "Herr Dr. Gribkowsky hat in den entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt", hieß es in Ecclestones Erklärung. Eine Absprache im Laufe des Prozesses mit der Staatsanwaltschaft schlossen die Verteidiger allerdings nicht aus.

Der mehrstündige Vortrag, angefangen bei Ecclestones Kindheit und seinem schon früh ausgeprägten Geschäftssinn, sollte vor allem Gribkowsky infrage stellen. Er war es, dem Ecclestone beim Verkauf der Formel 1 vor acht Jahren von der BayernLB an das Investmentunternehmen CVC eine Millionensumme gezahlt hatte. Gribkowsky wurde dafür wegen Bestechlichkeit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Furcht vor Anzeige

Ecclestone streitet die Bestechung aber ab, er fühlte sich angeblich unter Druck gesetzt. Er habe Angst gehabt, dass ihn der Banker bei den britischen Steuerbehörden anzeige: "Das hätte mich mehr als zwei Milliarden Pfund kosten können."

Die Staatsanwaltschaft dagegen unterstellte Ecclestone in ihren 24-seitigen Ausführungen, dass er das Geld zahlte, um den Verkauf der Formel 1 damals in seinem Sinne zu lenken - und so auch seine Macht zu bewahren. Die seinerzeit beteiligten Banken BayernLB, JP Morgan und Lehman seien für Ecclestone "von Beginn an ein Störfaktor" gewesen. Er sei auch sehr darum bemüht gewesen, nicht offenzulegen, wie die Formel 1 ihre "Einnahmen generiert".

Ecclestone nahm die Vorwürfe ohne große Regung zur Kenntnis. Nach seiner Ankunft beim Justizgebäude wirkte er zunächst angespannt. Auf dem Weg in den Gerichtssaal sagte er dann auf die Frage nach seiner Stimmungslage: "Ich bin zuversichtlich. Die Sonne scheint."

Schnell wurde klar, mit welcher Strategie die Ecclestone-Verteidigung den zunächst für 26 Tage angesetzten Prozess gewinnen will. "Herr Gribkowsky wollte Mr. Formel 1 sein und mich los werden", wiederholte Ecclestone in seinem schriftlichen Statement noch einmal eine alte Aussage aus dem Prozess gegen Gribkowsky. Dort hatte Ecclestone als Zeuge ausgesagt. Außerdem widersprach Ecclestone der Darstellung der Staatsanwaltschaft: Er habe nicht gewusst, dass Gribkowsky als Landesbank-Vorstand ein öffentlicher Amtsträger war.

In einem weiteren Punkt widersprach Ecclestone der weitläufigen Annahme, dass er vor dem Verkauf der Motorsport-Königsklasse 2006 noch Teilhaber gewesen sei und damit eine Kontrolle gehabt hätte: "Dies war zu keinem Zeitpunkt der Fall", sagte er.

Schenkung an Frau

Er habe sämtliche Vermögenswerte 1997 als Schenkung an eine Gesellschaft seiner damaligen Frau und zum Wohl seiner beiden Töchter übertragen. Etwa um 1996 hätten ihn gesundheitliche Sorgen geplagt, er habe sich einer Reihe Operationen unterziehen müssen, bis er 1998 einen dreifachen Bypass bekommen habe.

Wäre er gestorben, hätte seine damalige Gattin 40 Prozent Erbschaftssteuer auf sein Vermögen zahlen müssen, sagte Ecclestone. Slavica Ecclestone habe als gebürtige Kroatin noch nicht lange genug ihren Wohnsitz in England gehabt, um dies zu umgehen. Durch die Schenkung besaß er nach eigener Darstellung keine Anteile mehr an der Formel 1. Er habe lediglich in der Formel 1 das operative Geschäft geführt und nicht einwirken können auf den familieneigenen Bambino Trust, an dem nach der Pleite der Mediengruppe Kirch eben jene drei Banken Anteile hatten.

Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft beeinflusste Ecclestone den Verkauf dennoch, weil er um seinen Posten an der Spitze der Formel 1 fürchtete. Ecclestone habe die "unbequeme BayernLB durch einen neuen Anteilseigner" austauschen wollen, um die vereinbarten Mitbestimmungs- und Kontrollregelungen nicht mehr mit der BayernLB umsetzen zu müssen. Kaufinteressent CVC hätte wiederum von Beginn an klar gemacht, dass Ecclestone auch bei einer Übernahme Geschäftsführer bleibe. Das ist er bis heute.  (APA, Reuters/red, derStandard.at, 24.4.2014)

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