ÖIAG-Aufsichtsrat hat Telekom-Austria-Syndikatsvertrag abgesegnet

23. April 2014, 21:45
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Mit dem Pakt müssen die beiden Großaktionäre der Telekom Austria ihre Entscheidungen künftig gemeinsam fällen

Der mexikanische Telekom-Tycoon Carlos Slim, einer der reichsten Männer der Welt, hat sich mit seiner America Movil die industrielle Führung der Telekom Austria gesichert. Der Syndikatsvertrag zwischen Slim und ÖIAG wurde am Mittwochabend abgesegnet und unterschrieben. Nach der gescheiterten Übernahme des niederländischen Telekomkonzerns KPN fasst America Movil damit Fuß in Europa.

Sitzungschaos im ÖIAG-Aufsichtsrat

Nach dem Sitzungschaos im ÖIAG-Aufsichtsrat - die fünf Arbeitnehmer-Vertreter boykottierten das Treffen und drei der neun Kapitalvertreter fehlten vorerst - wurde der Vertrag doch noch über die Ziellinie gebracht. Die Allianz wurde von ÖIAG-Chef Rudolf Kemler und dem Finanzchef von America Movil zwei Stunden vor Mitternacht besiegelt. Kurz zuvor hatte der ÖIAG-Aufsichtsrat den Beschluss gefasst, grünes Licht für den Syndikatsvertrag zu geben.

Um beschlussfähig zu werden, musste der ÖIAG-Chefaufseher Peter Mitterbauer aus dem Ausland eingeflogen werden. Unbeantwortet blieb am Mittwoch die Frage, warum Mitterbauer der Sitzung zunächst überhaupt fernblieb und damit ein stundenlanges Warten heraufbeschwörte. Der angestrebte Pakt stand zudem unter Zeitdruck, damit es nicht zu einer einjährigen Sperre aufgrund des Übernahmegesetzes kommt.

Talfahrt

Die Unsicherheiten schickten die Aktie der Telekom am Nachmittag auf Talfahrt, sie schloss an der Wiener Börse mit einem Minus von 3,19 Prozent bei 6,65 Euro. Die Anleger werden nun aber mit einem Pflichtangebot von 7,15 Euro entschädigt - soviel bietet America Movil für die Aktien im Streubesitz. Die Mexikaner teilten zudem mit, eine Kapitalerhöhung von 1 Mrd. Euro zu unterstützen. Um ihre Sperrminorität von 25 Prozent zu halten, müsste auch die ÖIAG mitziehen, die Republik Österreich also Geld in die Hand nehmen.

Scharfe Kritik an dem Syndikat übten die Arbeitnehmer-Vertreter. Sie hätten nur einen Tag Zeit gehabt, den Vertrag zu studieren. Außerdem vermissen sie eine Jobgarantie. Die ÖIAG sprach am Abend davon, dass "die spezifischen Anliegen und Interessen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Österreich" berücksichtigt worden seien und die Unternehmenszentrale in Wien bleibe.

Kein "Austria Movil"

Für die Kunden der Telekom, die am Heimatmarkt Österreich unter den Marken "A1", "bob" und "Yesss!" auftritt, ändert sich vorerst nichts. Die Telekom Austria wird nicht zu "Austria Movil", die "erfolgreich eingeführten Marken Telekom Austria und A1 blieben erhalten", so die Staatsholding.

Die ÖIAG sichert sich mit dem Vertrag, der mindestens zehn Jahre laufen soll, den Aufsichtsratsvorsitz und darf auch weiterhin den Generaldirektor nominieren. Laut "Standard" (Donnerstagausgabe) hat America Movil aber künftig sowohl im Aufsichtsrat als auch im Vorstand die Mehrheit. Der Generaldirektor bekomme zwei Aufpasser aus Mexiko, heißt es in dem Bericht.

ÖIAG-Chef Rudolf Kemler lobt den Pakt dennoch: "Heute ist ein guter Tag." Die langfristige Partnerschaft werde einen massiven zukünftigen Wachstumskurs in Osteuropa ermöglichen. Kemler hält den Vertrag für die sinnvollste Lösung: "Die notwendigen Zukunftsinvestitionen können nicht vom Staat und somit mit Steuergeldern getätigt werden". Der Finanzchef von America Movil, Carlos Garcia Moreno, der den Vertrag für die Mexikaner unterschrieben hat, erklärte: "Als strategisch gut positioniertes Unternehmen kann die Telekom Austria nunmehr finanziell gestärkt sowie mit größerem Radius agieren."

Ein "schlechter Kompromiss"

Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) als oberster Eigentümervertreter und Hannes Ametsreiter als Generaldirektor der Telekom Austria begrüßten in Aussendungen ebenso wie Daniel Hajj als CEO von America Movil die neue Allianz. Sich auf die Sperrminorität zu beschränken, sei ein "schlechter Kompromiss", kritisierte hingegen schon vor der Einigung der IVA-Präsident Wilhelm Rasinger. Da sollte die Telekom lieber gleich ganz privatisiert werden. Für eine Privatisierung plädierten auch die NEOS. Die Grünen wiederum fordern, dass Österreich in der Telekom "maßgeblich" bleibt. Bis zuletzt hatte auch der Chef der Arbeiterkammer Wien, Werner Muhm, deutlich Kritik geübt. Er befürchtet, dass America Movil die Telekom so billig wie möglich übernehmen wolle. Für Österreich bringe der Vertrag "nur Nachteile".

Die Republik Österreich hält über die Staatsholding ÖIAG derzeit 28,4 Prozent an der Telekom, America Movil gehören aktuell 26,8 Prozent. Mit dem Syndikatsvertrag - einen solchen gibt es bereits seit langem bei der ebenfalls teilstaatliche OMV, wo die ÖIAG mit dem Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi syndiziert ist - müssen die beiden Kernaktionäre Entscheidungen künftig gemeinsam fällen. Slim schielt vor allem auf Osteuropa, wo die Telekom bereits jetzt stark vertreten ist. (APA, 24.4. 2014)

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