Schweine von der Gletscherinsel

23. April 2014, 18:53
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Mysteriöse Viehimporte aus exotischen Gefilden

Wien - Sie zählt zu den am schwierigsten erreichbaren und einsamsten Inseln der Erde, ist unbewohnt und zu 93 Prozent vergletschert: Das weiß Wikipedia über die zwischen Antarktis und Kap der guten Hoffnung gelegene Bouvetinsel. Was die Online-Enzyklopädie aber nicht verrät: Das von Norwegen abhängige Eiland ist offenbar ein bislang geheimer Partner Österreichs im Schweinehandel.

Darauf deuten zumindest Zahlen der Statistik Austria hin, die die FPÖ ausgegraben hat: Demnach wurden nach Österreich im Jahr 2007 von der Bouvetinsel 26.078 Kilo "Schweine lebend" importiert, macht Daumen mal Pi zumindest 170 Tiere. Und noch andere exotische Herkunftsländer weist die Statistik aus: So soll Borstenvieh - ob im Ganzen oder zu Schnitzel verarbeitet - in den vergangenen fünf Jahren unter anderem aus den Urlaubsparadiesen Mauritius und Seychellen, Hongkong, der Dominikanischen Republik oder dem zu 90 Prozent muslimischen Bangladesch den Weg in die Alpen gefunden haben.

Wo kommt mein Kotelett her?

"Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", dachte sich FPÖ-Abgeordneter Harald Jannach offenbar und verlangt von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) per parlamentarischer Anfrage Aufklärung: Wie könne es sein, dass Österreich lebende Schweine von einer mit Eis bedeckten Insel importiere? Woher stammten die Tiere tatsächlich? Und wie - so der ernste Kern - soll der Konsument Chance auf Durchblick bekommen, woher sein Kotelett wirklich stammt?

Die Beantwortung der 25 Fragen wird erwartungsgemäß eine Weile auf sich warten lassen, in einer ersten Reaktion hält man im Ministerium den angeblichen Bouvet-Import aber für "nicht sehr plausibel" - und spielt den Ball weiter. Die Zahlen basierten auf Angaben in Zollpapieren, zur Datenqualität müsse die Statistik Austria Stellung nehmen.

Was die Konsumenten betrifft: Laut neuer EU-Regelung soll klar erkennbar sein, welche Stationen Schweinefleisch bis zur Kühlvitrine durchwandert hat, doch die tritt erst 2015 in Kraft. Bis dahin ist die Herkunft des Schnitzels ein undurchsichtiges Geheimnis. (Gerald John, DER STANDARD, 24.4.2014)

  • Nicht nur von der zu 93 Prozent vergletscherten Bouvetinsel, auch von den Seychellen oder aus Mauritius wurden laut Statistik Schweine nach Österreich importiert.
    foto: apa/fohringer

    Nicht nur von der zu 93 Prozent vergletscherten Bouvetinsel, auch von den Seychellen oder aus Mauritius wurden laut Statistik Schweine nach Österreich importiert.

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