Ex-Hypo-Chef Kulterer will Haft aufschieben

23. April 2014, 17:31
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Das Erstgericht sah ihn hafttauglich, sein Anwalt legt Beschwerde ein. Scheitert er, muss er bis zum 8. Mai seine Haft antreten

Wien - Eigentlich wollte Wolfgang Kulterer laut seinem Anwalt seine Haftstrafe nach Ostern antreten. Ende Februar hat der Exchef der Hypo Alpe Adria in der Causa Vorzugsaktien II seine zweite Freiheitsstrafe ausgefasst und, ohne Rechtsmittel einzulegen, angenommen. Das Urteil: ein Jahr Zusatzstrafe zu den bereits zuvor ausgesprochenen 3,5 Jahren (Vorzugsaktien I) und zwei Jahre in der Kredit-Causa Styrian Spirit.

Seine Aufforderung zum Haftantritt hat Kulterer bereits erhalten, laut einem Gerichtssprecher sollte der Exbanker spätestens am 8. Mai in die Strafvollzugsanstalt Klagenfurt übersiedeln. Trotzdem ist derzeit noch nicht klar, ob bzw. wann genau es tatsächlich dazu kommt.

Aufschub abgelehnt

Denn: Nach seiner ersten rechtskräftigen Verurteilung hat der 60-Jährige noch im Vorjahr um Haftaufschub angesucht, um die Folgen einer Schulteroperation auskurieren zu können. "Herr Kulterer wird die Haftstrafe antreten, sobald es sein gesundheitlicher Zustand erlaubt", hatte sein Rechtsanwalt Ferdinand Lanker damals erklärt. Die Operation sei nach einer komplizierten Schulterverletzung im Herbst 2012 nötig geworden.

Allerdings: Das Landesgericht Klagenfurt hat den Antrag auf Haftaufschub abgelehnt. In den Augen des Erstrichters ist Kulterer hafttauglich, "obwohl der Gutachter meinem Mandanten bescheinigte, frühestens Ende April haftfähig zu sein", so Kulterers Rechtsanwalt Lanker.

Er hat in der Folge gegen die Entscheidung des Erstgerichts Beschwerde eingelegt - nun liegt der Ball bei der zweiten Instanz, dem Oberlandesgericht Graz. Sollte selbiges bei der Einschätzung des Erstgerichts bleiben, so wäre Kulterer hafttauglich und müsste seine Haft bis 8. Mai antreten.

Andere bereits in Haft

Andere Verurteilte aus der Causa Hypo sind bereits ins Gefängnis eingerückt. Kulterers Ex-Stellvertreter etwa, Günter Striedinger. Er hat seine Strafe gleich angetreten und sitzt in Hirtenberg ein. Der frühere Landesholding-Chef Gert Xander büßt seine Strafe in Klagenfurt ab, Anwalt Gerhard Kucher die seine in Wien-Simmering. Steuerberater Hermann Gabriel hat "aus gesundheitlichen Gründen" einen Antrag auf Haftaufschub gestellt; der liegt noch bei Gericht, das nun darüber entscheiden muss.

Der frühere ÖVP-Politiker und Kärntner Landesrat Josef Martinz, der in der Causa Birnbacher-Honorar rechtskräftig zu 4,5 Jahren Haftstrafe verurteilt wurde, ist noch auf freiem Fuß. Sein Anwalt, Alexander Todor-Kostic, meinte zuletzt, es sei noch nicht klar, ob man einen Antrag auf Haftaufschub stellen werde. (Renate Graber, DER STANDARD, 24.4.2014)

  • Kulterers Freiheit liegt in den Händen des Grazer Obergerichts.
    foto: apa/eggenberger

    Kulterers Freiheit liegt in den Händen des Grazer Obergerichts.

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